218.-221. Tag – Picton

Am naechsten Tag ging es dann nach Picton, ein kleiner verschlafener Ort relativ im Norden von der Suedinsel. Auf dem Weg dorthin hielten wir noch einmal bei Robben. So schoen am fruehen Morgen, da waren sie dann auch noch viel aktiver. Waehrend die Aelteren ruhten, sprangen die kleinen im Wasser herum, welches sich zwischen den Steinen sammelt und somit ein kleines Becker ergibt. Faszinierend ist es wie grazil und duenn sie sind, sobald sie sich im Wasser befinden und wie aufgeplustert plueschig, wenn sie sich in der Sonne aalen. Ich haette mich hier noch stundenlang aufhalten koennen. Auch die Aussicht vom Bus war wieder atemberaubend als wir uns die Kuestenstrasse raufschlaengelten. In Picton bin ich dann in einem gemuetlichen Hostel angekommen und das bis jetzt groesste Zimmer gehabt. Naemlich mein Bett neben 27 anderen. Wahnsinn!! Ich hatte mich dann dazu durchgerungen, meinen geplanten Trekk hier zu machen, da der Malborough Sound landschaftlich sehr schoen sein soll. Dann war ich also den Nachmittag damit beschaeftigt mein Boot zu buchen und zu entspannen 😉
Ich hatte mich dann auch erkundigt, ob ich mir am naechsten Tag mein Essen kaufen kann, bevor das Boot ablegt, fuer die naechsten Tage, denn ich hatte gut geplant und alles soweit verputzt. Man versicherte mir, dass es gar kein Problem waere… Nun gut. Ich bin also am naechsten Morgen zeitig aufgestanden, habe noch meinen Rucksack von allem moeglichen unnuetzen Kram befreit und bin dann in die Stadt gestiefelt. Den Supermarkt fand ich auch und stand dann aber vor verschlossener Tuer. Heute Feiertag und erst ab 13 Uhr geoeffnet. Ja war denn das zu fassen? Meine letzt Moeglichkeit war dann die Tankstelle, wo alles dreifach so teuer war. Aber naja, ich habs ja. 😉 Mein Dank der Frau, die mir die Auskunft gegeben hatte, hielt sich eher in Grenzen. Ich erreichte dann auch abgehetzt das Boot, da natuerlich durch das ganze Gesuche alles noch einmal laenger gedauert hat. Auf meinem Boot befanden sich dann auch eine ganze Menge Leute – ein paar Mountainbiker und ansonsten Tourangehoerige, die mit einem kleinen Rucksack wanderten und sich die Mengen an Klamotten (warum braucht man fuer ein paar Tage so viel?) und Essen zu den einzelnen Stationen bringen liessen. Auch mir wurde das angeboten, aber nein, ich wollte ja richtig wandern und meine 16 kg, am Ende gefuehlte 30 kg, allein schleppen. Ach wie hab ich mich spaeter geaergert. 😉 Aber immerhin allein getragen. Wir erreichten dann eine wunderschoene Bucht, an der auch James Cook das erste Mal das Land betrat. Zum Anfang noch ein ganzer Pulk von Menschen – loeste sich dieser bald auf. Ich hatte beschlossen, mir den Wasserfall anzuschauen und komischerweise war niemand anderes interessiert. So stiefelte ich dann allein los, erst einmal in die entgegengesetzte Richtung. Es war ein kleiner Trampelpfad und es machte ungemein Spass. Die Natur bezauberte sofort und hier gibt es so suesse kleine Voegel, die total zutraulich sind und um dich herum flattern. Mit meinen Begleitern fand ich dann den Weg zum Wasserfall – naja, vielleicht eher ein kleines Rinnsal, das den Berg herunterlaeuft, aber ohne Frage sehr schoen und idyllisch. Es war wirklich vom landschaflichen Aspekt her eine tolle Wanderung. Obwohl mich meist doch jedes Knacken im Wald erschreckte. Denn als ich wieder zu der Bucht zurueckkam, waren alle meilenweit weg und ich begann den muehsamen Aufstieg des ersten Berges – der hoechste gleich zum Beginn. Irgendwann erreichte ich dann auch den Gipfel und die Aussicht zu beiden Seite auf den Fjord war ein Traum und ein perfekter Platz fuer das Mittagbrot. Ich packte dann meine Stullchen aus und fing an mir das Toast zu schmieren (ach, wie ich das deutsche Brot vermisse). Auf jeden Fall gibt es im Wald auch noch solche ganz aufdringlichen Gesellen, sie sehen den Rebhuehnern ziemlich aehnlich und haben furchterregende rote Augen. Zumindest sind auch sie, zu meinem Leidwesen, gar nicht scheu und einer streunte die ganze Zeit um mich herum und kam auch immer ganz nah, so dass ich um mein Essen fuerchten musste. Er liess sich auch partout nicht verscheuchen und so fiel die geplante lange Rast mit dem tollen Ausblick eher kurz aus. Der Abstieg war dann wesentlich angenehmer und ich erreichte bald mein erstes Ziel – den Zeltplatz. In Neuseeland ist es recht schoen, sie haben hier eine Organisation, die viele Zeltplaetze ueber das Land verstreut betreut. Meist gibt es nur eine Toilette und man laesst sein Geld in einer Vorrichtung, die sich am Zeltplatz befindet – 6 Dollar (rund 3 Euro) fuer eine Nacht. Schoen. Dieser Zeltplatz hatte eine traumhafte Lage, direkt in einer Bucht, zu erreichen ueber einen kleinen Trampelpfad. Ich baute dann unter Muehen mein Zelt auf, es ist naemlich noch so ein altes mit Eisenstaeben, die wiederum die Vorliebe haben immer zusammenzustuerzen, wenn man gerade am anderen Ende ist. Naja, aber auch das meisterte ich 😉 Und dann folgte eine sehr, tja wie sagt man? unruhige Nacht… Davor jedoch noch ein wunderschoener Sonnenuntergang ueber dem Fjord und ein herrlicher Mond. Dummerweise hatte ich auch gar nicht dran gedacht, passend Geld mitzunehmen und jemand zum Wechseln war nicht zu sehen. Dann bin ich noch 1 Kilometer weiter gelaufen, jedoch ohne Gepaeck, zu einer Huette, die zwar geschlossen hatte, offiziell, aber es waren trotzdem nette Leute da, die mir weiterhalfen. Ja, die Nacht war wie gesagt sehr unruhig, da es doch schon empfindlich kalt war und dieser „“nette““ zutrauliche Vogel nichts besseres zu tun hatte als um mein Zelt rumzuschleichen und es anzupicken und im Baum sass auch Irgendetwas, das die ganze Zeit an den Zweigen nagte. Am naechsten Morgen ging es dann weiter. Mit der Zeit war es echt gut abgepasst. Durch meinen Ausflug zum Wasserfall waren am vorigen Tag alle weg und da ich frueh los bin, waren die Leute von der Faehre noch nicht da. So traf ich unterwegs nur ab und zu die Biker, die schneller unterwegs waren. Es ging durch Waelder und Wiesen, aber auch direkt am Fjord entlang. Wunder-, wunderschoen. Man hoerte nur das Vogelgezwitscher und das Rauschen der kleinen Rinnsale, die ab und zu den Berg herunterkamen. Ich lief zwar „“nur““ 11 Kilometer. Doch es reichte mir am Ende vollkommen und ich war froh als ich eine nette Lodge erreichte. Dort ass ich dann erstmal ordentlich und konnte eine heisse Dusche nehmen, denn ich war total durchgeschwitzt. Eigentlich war noch eine Nacht mit dem Zelt eingeplant, aber es zogen dicke Regenwolken auf und der Zeltplatz war noch 14 Kilometer entfernt. Ich haette mich zwar mit dem Boot hinbringen lassen koennen, entschloss dann aber gleich nach Picton zurueck zu gehen. Und die Entscheidung war gut, da es anfing wie aus Stroemen zu giessen. Die Bootsfahrt allerdings war noch einmal ein tolles Erlebnis. Der Anblick der wolkenverhangenen Berge vom Fjord war gespenstisch schoen. Es sah so aus als ob Dampf aus riesigen Kesseln herausstroemt. Es ist immer wieder faszinierend, die Natur zu beobachten – gerade hier in Neuseeland. Auch auf dem Wasser gab es jede Menge zu sehen – wie die Voegel nach Fischen tauchten oder einfach neben uns her flogen. Als dann der Regen anfing, war ich froh wieder im Hostel zu sein, heiss zu duschen und ins warme Bettchen zu springen. Da ich mein Busticket schon fuer den uebernaechsten Tag gebucht hatte, blieb ich noch einen Tag laenger in Picton und machte… nichts. Nur lesen, ein bisschen DvD mitschauen, essen und schlafen. Bei dem Wetter konnte man aber auch nicht wirklich viel anderes tun. Am Abend lernte ich dann noch eine superliebe Norwegerin kennen und wir quatschten total lang – sehr angenehm und auch mit meiner taiwanesischen Bettnachbarin gab es noch eine kleine Chinalektion bevor es ins Bettchen ging. Ich muss aber feststellen, dass hier und auch in Australien sehr viele Deutsche unterwegs sind. Ueberall hoert man immer mal wieder deutsche Satzbrocken – faszinierend und auch mal schoen, nach so langer Zeit Englisch und Franzoesich 🙂
Am naechsten Tag hatte ich dann noch etwas Zeit bis mein Bus kam. Ich duschte, packte mein ganzes Gelumpe wieder ein und wollte dann noch zum Supermarkt und endlich mal wegen der Stelle auf der Farm anrufen, da meine Mail unbeantwortet blieb, die ich geschrieben hatte. Ich kann euch gar nicht sagen wie schwierig es war in Picton ein Telefon aufzutreiben. Am Ende war es sogar unmoeglich. Ueberall gab es nur Kartentelefone, ich wollte mir dafuer aber nicht extra eine kaufen und die privaten im Hostel etc. konnte ich nicht benutzen. Ach wie aergerlich. So zog ich dann also unverrichteter Dinge ab, aber ich freu mich schon wieder nach Picton zu gehen, denn von hier geht dann in ein paar Tagen meine Faehre zur Nordinsel. Der Regen war immer noch anhaltend und nach 2 Sekunden draussen war man auch komplett durchnaesst. Der Busfahrer, diesmal ein anderer, ging mir auch ziemlich auf die Nerven, da ich lieber meine Ruhe gehabt haette und er aber die ganzen 2 Stunden Fahrt ununterbrochen etwas ueber die Geschichte etc. erzaehlte – die Lautsprecher hingegen so schlecht waren, dass ich gar nichts verstanden habe.

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