72.-74. Tag – Zug nach Beijing

Ein grosses Hallo aus Beijing, oder Peking, what ever!
Es ist der absolute Wahnsinn hier, aber der Reihe nach. Der letzte Tag in Lhasa war wirklich super schoen, aber auch vollgepackt mit Erledigungen und Sightseeing. Zuerst wollten wir (Jody und ich)uns eine Nonnery ansehen in der Naehe vom Potala Palace. Am Ende war es nur ein ganz kleiner Raum, in dem 4 Nonnen sassen, in ihrem Singsang beteten und dabei die grosse Trommel schlugen. Sehr schoen 🙂 Dann trafen wir einen Israeli aus unserem Hotel und besichtigten ein Kloster inklusive einer kleinen Hoehle. Sehr beeindruckend. In dieser Hoehle haben sie dann alle moeglichen Figuren aus dem Stein herausgeschlagen und bemalt. Das Kloster befindet sich gerade im Umbau und das interessanteste war es, die Leute bei der Arbeit zu beobachten. Wie sie filigran die Fenster und Tueren mit diesen wunderschoenen Mustern und Farben bemalten. Leider machten das nicht die Moenche selbst 😉 Dann noch ein paar schoene Fotos vom Potala Palace (man moechte es immer und immer wieder fotographieren) und dann Richtung Stadt. Dabei wurden wir Augenzeugen einer Verhaftung. Allerdings fand ich das ueberhaupt nicht spannend oder aehnliches. Ich weiss nicht, ob das die normale Vorgehensweise ist. Auf alle Faelle musste der Mann knien vor den versammelten Gaffern und dabei wurden ihm die Haende ueber dem Kopf zusammengeschnuert, so dass auch sein Gesicht nach unten gedrueckt wurde. Sozusagen die demuetigste Haltung die es gibt und so kniete er dann fuer laengere Zeit. Ich weiss nicht, ob das so sein muss. Wir gingen dann etwas essen und spaeter machte ich mich allein auf den Weg, um noch ein weiteres Kloster zu besichtigen. Dieses befindet sich mitten im Stadtzentrum mit einem riesigen Platz davor. Mein traumatisches Erlebnis mit der Kamera war hier sehr deutlich in meinem Gedaechtnis, da es derselbe Platz war. Das Schauspiel war gigantisch. Mindestens 100 Leute rutschen vor dem Kloster auf der Erde – es ist ihr Betritual. Die Haender vor sich falten, nach oben – vor den Kopf – vor die Brust, dann auf die Knie und danach auf den Boden. Faszinierend. Auch von innen war es wunderschoen anzusehen und von oben hatte man einen wunderschoenen Blich ueber den Platz und auf die Leute, die ihre Runden um das Kloster zogen. Nach 2 h begab ich mich dann noch auf Shoppingtour und verbrachte viel Zeit Fotos zu sichern 😉 Abends assen wir dann alle zusammen super lecker und spaeter waren wir wieder in unserer Bar und verbrachten den Abend mit singen und quatschen. Ach ja, grossartig. Zwischendrin hatte ich noch eine lustige Taxifahrt, da ich noch ein paar Sachen erledigen musste. So wies ich an, wohin er fahren sollte und er wartete dann immer brav auf mich im Auto, aber doch schon etwas schwierig, wenn er kein Wort Englisch versteht – das war dann meine Portion Abenteuer fuer diesen Tag. Nach 2 h Schlaf und fast verschlafen, waere ein Koreaner aus unserem Zimmer nicht auch so zeitig aufgestanden machten wir uns auf den Weg zum Bahnhof. Der Bahnhof ist uebrigens gigantisch. Dafuer findet man keine Worte. Das kommt wahrscheinlich davon, wenn die Chinesen etwas bauen. so ist Lhasa ein Gebilde aus sehr alt und sehr, sehr neu. Der Bahnhof ist auf alle Faelle letzteres. Sicherheitsbestimmungen wie auf einem Flughafen. Aber durch waren wir und unseren Waggon hatten wir auch gleich gefunden. Sehr luxurioes alles. Ich vermisste wie immer meine indischen Zuege. Ja, so unterschiedlich kann Hardseat sein – in Indien – richtig hart und gammelig und hier sehr, sehr western. Wir teilten uns die Sitze mit einer chinesischen Familie. Zu dieser gehoerte auch ein etwa 12-jaehriger Sohn – sehr putzig und nicht auf den Kopf gefallen. Wir tauschten dann die ganze Fahrt ueber Essen miteinander – die einzige Verstaendigung, die problemlos klappt. Soviel mehr gibt es zu dem Zug gar nicht zu sagen. 1. Klasse-Sleeper ist Luxus pur, bezogene Betten mit allem moeglichen Schnickschnack und sogar Blumen auf den kleinen Tischen und unser Abteil voll mit Chinesen. Es war die ganze Zeit wunderbar warm, waehrend uns die freundliche Anzeige sagte, dass draussen -11 Grad herrschen. Die Landschaft war wie immer atemberaubend schoen, die schneebedeckten Berge in der rauen Landschaft. Wir passierten einen riesigen See, den hoechsten Suesswassersee der Welt (ob es stimmt, wer weiss). Zumindest war der Anblick faszinierend, denn Teile der Seeoberflaeche waren gefroren, waehrend zwischendurch das Wasser entlang des Eises entlangsprudelte – dahinter die Berge, atemberaubend. Lange veraenderte sich die Landschaft kaum und die erste Nacht brach herein. Ich rollte mich dann irgendwie auf dem Boden zusammen. Gemuetlich ist wirklich etwas anderes und am naechsten Morgen wachte ich steif und verlegen auf. Die Landschaft wandelte sich – die Berge erinnerten nun an die in Kathmandu, terassenartig angelegt, aber der Winter verbietet jegliches gruen. Doch die kleinen Doerfer waren nun so typisch, mit ihren geschwungenen Haeuserdaechern – traumhaft. Wir verbrachten die Zeit mit Lesen, Musik hoeren, quatschen und schlafen. Den ersten Abend besuchten wir das Restaurant – wir wussten es nicht besser und bezahlten 90 Yuan *heul*, am naechsten Tag fuer das gleiche Essen aus einer Pappschachtel 10 Yuan, man wird immer schlauer. Die naechste Nacht war dann um einiges besser, da viele den Zug schon verlassen hatten und mir so 3 Sitze zum ausbreiten blieben. Wir lernten auch eine nette Chinesin kennen, die ihre Englischkenntnisse verbessern wollte und dafuer, dass sie erst 1 Jahr Englisch hat, war sie sehr gut. Da wir dachten wir erreichen Beijing erst am naechsten Abend war ich total ueberrascht, als Dan mich weckte und sagte, wir sind in 5 Minuten da. Wow. Also wirklich nur exakt 48 Stunden. Der Bahnhof in Beijing ist genauso imposant und wir staunten mit grossen Augen. Als ich auf die Strasse kam, musste ich sofort an Berlin denken, sogar ein kleiner „“Fernsehturm““ ist hier. Wahrscheinlich verklaere ich auch alles nur und es ist komplett anders, aber es ist so westlich, wie ich es schon seit dem Verlassen von Deutschland nicht mehr gewoehnt war. Wir handelten dann auch gut um ein Taxi und fanden doch tatsaechlich auf Anhieb den richtigen Weg. Die Adresse hatten wir von einem in Lhasa bekommen. Und es ist ein richtiger Gluecksgriff – 4 Betten in einem Zimmer, mit Heizung, sauberen Duschen, heissem Wasser, westlicher Toilette, gutem Fruehstueck, freiem Internetzugang und freiem Waescheservice fuer 4 Euro pro Nacht. Was will man mehr. Fuer mich gilt, ein Visa fuer China. So machten wir uns zu zweit, ich und Dan, auf den Weg. Wir fanden den richtigen Bus (diese erinnern mich uebrigens richtig doll an zu Hause) und wir fuhren an tollen Laeden vorbei und manchmal erhaschten wir einen Blick in winzig kleine Seitenstrassen mit typischen chinesischen Haeusern – kleine Hoefe umgeben von Mauern. Wir fanden dann auch irgendwie „“the psb – police service bureau““ und ich fuellte fleissig meinen Antrag aus. Auch wieder ein sehr neues, in allen Ecken sauber funkelndes Gebaeude. Nachdem ich dann an der Reihe war, drehte die Beamtin erstaunt mein Visazettelchen fuer China und Tibet in den Haender herum und holte eine kompetente englisch-sprechende Kollegin hinzu. Diese machte mir dann klar, dass ich mein Gruppenvisa auch hier in Beijing nicht in ein Einzelvisa fuer China umbuchen kann. Ich solle also nach Hongkong oder Korea gehen, dort ein Visa beantragen und dann kann ich nach dem 12.12. wieder einreisen. Das ist alles wirklich so kompliziert. Ich habe jetzt also 8 Tage Zeit von Beijing nach Hongkong zu kommen und zwischendurch noch in Xian zu stoppen, um mir die Terrakottaarmee anzuschauen. Es wird eine organisatorische Meisterleistung. Zum Glueck ist gerade keine Saison, so dass zumindest das Erlangen der Zugtickets kein Problem sein sollte. Von meinen Eltern habe ich erfahren, dass meine jahrelange Brieffreundin aus Koeln gerade in Hongkong studiert. Wenn ich es also noch hinbekomme ihre Mailadresse zu ergattern, steht einem Treffen bestimmt nichts im Weg, es sei denn, sie ist ueber Weihnachten zu Hause. Wir werden sehen, wie sich das alles entwickelt. Es bleibt spannend. Auf dem Rueckweg deckten wir uns mit lauter suessem Zeug ein, mhh lecker – kleine Yes-Toertchen, und genossen den Weg nach Hause. Die jungen Chinesen sind wirklich so stylisch, wahnsinnig schoen, die Laeden der Wahnsinn, es gibt massig viele, kleine Pekinesen hier, die brav an ihrer Leine laufen in Peking 🙂 und an jeder grossen Kreuzung weisen Lotsen ueber die Strasse! Es ist tollll! Ich fuehle mich wohl. Es ist nicht zu laut, nicht zu viel Verkehr und ab und zu hat man zwischen den riesigen, grossen architektonischen Meisterwerken kleine, Gassen mit kleinen, chinesischen Wohnhaeusern. Die Sonne scheint, trotzdem gefuehlte 5 Grad und das Laub weht von den Baeumen. Die Chinesen sind wirklich ein sehr ernst-dreinschauendes Voelkchen. Wir hatten jedoch eine nette Begebenheit. Einer Frau riss der Beutel und ihre ganzen Aepfel kullerten ueber die Strasse, ich borgte ihr dann eine Plastiktuete von mir und sie strahlte ueber das ganze Gesicht und sagte mindestens 10 x Xiexie (was Danke heisst) Dann fanden wir natuerlich den Weg zurueck nicht und nahmen ein Taxi, fuhren in die komplett falsche Richtung um spaeter, nach unzaehligem Fragen, festzustellen, dass wir die Einfahrt 200m vorher uebersehen hatten. Es war also ein wenig erfolgreicher, aber dafuer ereignisreicher und interessanter Tag. Morgen beginnt dann der grosse Sightseeing-Marathon, ich muss mich dann auch ranhalten, da ich nun leider nicht mehr die Zeit fuer Beijing habe. Leider. Aber es wird toll und Sonntag ist der ganze Tag fuer die Grosse Mauer eingeplant mit Sonnenauf- und untergang. Ich bin gespannt und gruesse euch damit alle lieb. Vielen Dank fuer viele Mails, dann habe ich ja wieder etwas zu tun 🙂 eure Jule

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.