21./22./23. Tag – Delhi

Ja, die Karina ist jetzt weg und ich muss mich jetzt allein durch Delhis Strassen kaempfen. Nun aber noch das letzte Stueck meines Berichtes aufholen. Frueh am naechsten Morgen, nach unserem Hoehlenbesuch, ging es Richtung Delhi mit dem Zug, 23 h. Es war wirklich krass und dadurch, dass es so eine lange Strecke war, hatten wir auch nicht wie sonst immer die gleichen Leute in unserem Abteil sitzen, sondern die Sitzkonstellation aenderte sich alle paar Stunden. Somit kamen wir auch nicht zur Ruhe. Staendig waren wir aufs Neue die Attraktion im Zug. Und komischerweise waren auch nur Maenner unterwegs. Oje. Eine sehr dicke, extrem schlaefrige Frau war unsere stete Begleitung. Doch das war weder beruhigend noch schoen, denn sie legte so einen Schnarchmarathon vor, dass wir teilweise davon aufwachten und auch nicht mehr einschlafen konnten. Wir getrauten uns aber auch nicht, sie mal etwas unsanft anzustupsen, da sie, wenn sie dann mal wach war, uns boese anfunkelte oder sich mit Essen zustopfte. Lustigerweise hatte sie auch einen Megadolch um ihre maechtigen Hueften geschwungen, was uns auch nicht gerade ein Gefuehl von Sicherheit gab. Naja und so setzten sich im stetigen Wechsel maennliche Einheimische in unser Abteil und fragten uns aus oder fuchtelten ganz unauffaellig mit ihren Handykameras vor unseren Gesichtern rum. Die Frage, ob man verheiratet ist, folgte dann auch prompt und egal was man antwortete, es war ihnen eh egal und sie sahen darin auch keinen Hinderungsgrund. Naja, so war es doch sehr abwechslungsreich. Im Laufe des Abends kamen dann auch 2 Maenner, ein Aelterer und ein Juengerer, denen das komplette Geld aus der Hosentasche geklaut wurde und diskutierten das lautstark in unserem Abteil, wobei sich natuerlich auch immer mehr neben uns versammelten. Einer war aber sehr nett, er uebersetzte uns alles in einem halbwegs guten Englisch, dann kaufte er uns auch noch Bananen uns Erdnuesse. Wir waren echt geruehrt, denn die meisten, die nett sind, haben auch immer ihr Geschaeft im Hinterkopf. Doch egal, uns ist nichts passiert und wir haben auch super auf unseren Pritschen geschlafen. Frueh um 5 erreichten wir dann Delhi. Mhh, von einer Wartehalle oder aehnlichem war nichts zu sehen. Wir, geraedert von der Fahrt und mit einem etwas mulmigen Gefuehl streunten ueber den Bahnhof, fanden nichts Passendes und liessen uns dann einfach zwischen den Indern nieder. Irgendwann wurde es dann auch hell und wir verliessen den Bahnhof, auf dem es nicht wirklich geheuer war, um ein Hotel zu suchen, was wir natuerlich auch sehr schnell fanden. So konnte unser erster Tag beginnen. Das Hotel liegt genau am Main Bazar und genauso ist es auch hier auf der Strasse. Tausende Leute, die sich durch die kleinen Strassen schieben, Laeden ueber Laeden mit allem moeglichen Klimbim. Wir waren voll erschlagen von diesem Trubel. Doch das schlechte Gefuehl von den Morgenstunden war ganz schnell vorbei und wir tauchten in den Strom von bunten Saris, Gewuerzduft und Gehupe ein. Juchhu, man fuehlte sich lebendig, wie schon lange nicht mehr. Doch so lange hielten wir es noch nicht aus und verkruemelten uns bald auf eine tolle Dachterasse, um den Sonnenuntergang ueber den Daechern von Delhi in vollen Zuegen zu geniessen. Dann fielen wir geschafft ins Bett, um uns fuer unseren naechsten Tag auszuruhen. Denn es ging nach Agra. Der Ort liegt ungefaehr 3 Stunden von Delhi mit dem Zug enfernt und da befindet sich das traumhafte Taj Mahal. So ging es frueh los, diesmal ausschliesslich Sitze, wo wir dann zu dritt gequetscht auf einer Holzpritsche sassen. Irgendwann kam ich dann auch mit dem Mann neben mir ins Gespraech, welches sehr nett und angenehm war. So verging die Fahrt rasend schnell. Raus aus dem Zug, rein in die Rikscha und ab zum Taj Mahal. Die Zone ringsherum ist gesperrt, so dass wir das letzte Stueck laufen mussten, umgeben von Postkartenverkaeufern, die sehr hartnaeckig ihre schlechten Ausdrucke (denn mehr war es nicht) versuchten an uns zu verschaerbeln. So assen wir dann erstmal auf einer Dachterasse Fruehstueck/Mittag, was auch immer und genossen den Anblick dieses einmalig schoenen Gebaeudes von weitem. So ein total niedlicher kleiner Junge brachte uns das Essen und wir versuchten uns irgendwie mit ihm zu verstaendigen, was sich aufgrund mangelnder Englischkenntnisse als schwierig erwies. So summte er halt vor sich hin (was uebrigens sehr viele Inder machen und was sich auch echt voll schoen anhoert) und wir genossen die Aussicht. Tja und dann kam wieder mal ein grosses Loch fuer den Geldbeutel hinzu, denn der Eintritt war fuer uns 750 Rs (fuer Inder nur 10 Rs *heul*). Zusaetzlich mussten wir fast alles aus unseren Taschen auspacken und abgeben. Dann war es soweit. Unsere Vorfreude war enorm. Um zum Taj Mahal zu gelangen, muss man durch ein riesiges Tor hindurch und dann eroeffnete sich der Blick, wie man ihn nur von Postkarten kannte. Wir konnten es gar nicht glauben. Hier standen wir und die Sonne erleuchtete das weisse Marmor. Man kann es nicht in Worte fassen. Wir waren selig und konnten den Blick kaum von dieser Schoenheit lassen. Und so setzten wir uns fuer 2 h in einen kleinen Park und genossen einfach nur den Anblick und auch ein klein wenig die suessen Streifenhoernchen, die auf der Wiese miteinander spielten. Und natuerlich warteten wir auch nicht lange bis die ersten Neugierigen ankamen und Fotos mit uns wollten. Ich moechte nicht wissen in wievielen indischen Fotoalben wir kleben werden. Es ist grossartig. So diskutierten wir ein bisschen ueber Indien und Deutschland und ueber Fussball, oje 😉 aber es war schon sehr nett! Lustigerweise schaute ich gerade in mein Yahoopostfach und der eine Typ hat mir eine ganz lustige Mail geschrieben. War glaub ich auch das erste Mal, dass ich meine Adresse an jemanden aus Indien gegeben habe und ein paar Tage spaeter eine Mail, finde ich echt gut. Ja, irgendwann sind wir dann auch mal ein bisschen naeher heran gegangen und haben es uns von innen angeschaut. Wenn es von aussen schon atemberaubend ist, dann kann man die Schoenheit innen gar nicht beschreiben. Ganz viele Lotusblumen aus verschiedensten Steinen auf dem weissen Marmor. Wie wahnsinnig doll muss dieser Mann seine Frau geliebt haben, um ihr zu Ehren so etwas Schoenes zu erschaffen. Laestig waren dann nur die „“Aufsichtspersonen““, die schrill in ihre Trillerpfeife bliesen, wenn man laenger als 1 Minute stand. Und so zogen wir unsere Kreise um die „“Grabsteine““, um die Schoenheit zu betrachten. Wieder draussen wurden wir auch gleich von einer Grossfamilie in Beschlag genommen. Ich weiss nicht, wie viele Fotos es waren, sehr viele und danach folgte gleich eine komplette Maedchenklasse. Foto hier, Foto dort, mit einer, dann zu zweit und zu dritt. Es machte Spass, doch irgendwann faellt das Laecheln sehr schwer. Wir verabschiedeten uns herzlich und traten unseren Weg zurueck an. Noch ein Foto mit irgendwem und dann ab zum Ausgang. Ein letzter, wehmuetiger Blick, denn ich glaube nicht, dass ich noch einmal hinkomme… Dann fuhren wir das 1. Mal mit einer Fahrradrikscha. Oh Gott, war das ein Trauerspiel. Wir mussten einen Berg hoch, eigentlich die ganze Zeit und der Fahrer tat uns so leid. Irgendwann bin ich dann mit abgesprungen und habe das Fahrrad mitgezogen. Soviel dazu, dass wir in Indien abnehmen werden. Die letzte Stunde dann noch im Bahnhof und ab ging es Richtung Delhi. Uns gegenueber sass eine junge Mutter mit ihrem kleinen Baby. Ach, das war wieder so suess gewesen und ich muss sagen, im Vergleich zu meinem anderen Baby (in dem Zug von Hampi) war dieses eine echt schwierige Nuss. Es war so lieb, dass es nicht einmal laechelte, sondern nur mit seinen grossen, braunen Augen die Welt um sich herum betrachtete. Doch irgendwann gelang es mir dann, es zum Laecheln zu bringen *stolz sei* und so wurde es wieder mal eine schoene Zugfahrt, auch die Eltern waren beide superlieb. Ja, abends um 11 Uhr, fuer unsere Verhaeltnisse schon sehr spaet, fielen wir dann ins Bett. Delhi hatte noch so viel mehr zu bieten und gleich am naechsten Tag wollten wir mit dem Erforschen beginnen.

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