24./25./26./27./28. Tag – Delhi

Bin gerade richtig stolz, war mein erster selbst reingestellter Beitrag und hat ja auch alles geklappt 🙂
So weiter im Berichten. Nach unserem Taj Mahal-Besuch legten wir einen Shoppingtag ein. Ja, auch das muss mal sein. Es ist Freitag, der 13.10. (falls ihr dann manchmal mit den Tagen durcheinander kommt) Zuerst machten wir uns auf den Weg in das staatliche Kaufhaus. Hoert sich ganz schoen komisch an, war es dann auch. Leider alles sehr teuer und keine wirkliche Auswahl. Es war zwar schoen, einmal nicht von jeder Seite angesprochen zu werden oder ins Ohr gebruellt zu bekommen, dass man doch mal einen Blick in den eigenen Shop werfen soll, aber so machte Einkaufen dann auch keinen Spass und wir gingen unverrichteter Dinge wieder weg. Der Weg dorthin war allerdings auch wieder ein Erlebnis, denn das war ein ganz anderes Indien als bisher. Naemlich das Westliche. Schick gekleidete Inder und Inderinnen, die in den Levis-Store gehen, um sich einzukleiden und zu Mc Donald’s stroemen, um sich mit Burgern voll zu stopfen. Aber da muss ich ja gestehen, dass auch wir etwas gegessen haben 😉 Jaja, wie untypisch, aber man hat sich doch so zu Hause gefuehlt. Eigentlich dumm, aber naja. Und es war wieder eine Augenweide. So wie in Indien immer 3 Leute mehr als noetig sind, so sieht man es ueberall auch bei McD. So wuselteten hinter der kleinen Theke mindestens 12 Maenner herum, im Restaurant waren es dann auch noch einmal 10, die wischten und Tische absammelten und 8 sassen noch an einem Tisch und assen genuesslich Pommes (wahrscheinlich die ganz oberste Schicht in der Mc Donalds-Filiale) Es war super sauber und sogar ein Tuersteher in schicker Uniform war vertreten, wie in jedem guten Laden. So stuerzten wir uns also nach unserem missglueckten Kaufhausbesuch wieder in das wilde Treiben auf den Basaren. So fanden wir ein paar suesse Laeden und kauften ein. Oh Mann, und ich muss doch echt auf mein Geld achten… In den Eingaengen zur Metrostation sassen Bettler mit verkrueppelten Haenden und Fuessen. Man trifft hier auch auf so Viele, die nur ein Bein haben oder ein zurueckgebildetes. Warum gibt es hier so viele Krueppel? Sind es wirklich viele oder trifft man nur so viele, weil sie sich halt in den Touristenzentren aufhalten? Ich weiss es nicht. Wir haben uns aber auch gefragt, wie eine Gesellschaft so etwas zulassen kann, dass diese Krueppel dann betteln muessen oder ist es einfach das ertraeglichste? Vielleicht sind hier auch einfach zu viele Menschen und jeder ist sich selbst der Naechste. Es ist ein schwieriges Thema. Naja dazu dann vielleicht am Ende meines Indientrips mehr. Zu schwierige Themen und Gedanken, um sie in einen Reisebericht zu packen. Wieder zurueck fanden wir eine schoene Dachterasse und beobachteten das chaotische Treiben auf der Strasse. Staende mit Schmuck, Schuhen, Kleidern, Spielzeug, Obst… eigentlich alles und daneben die Kuehe, die sich gemaechlich zwischen hupenden Rikschas entlang schaukeln.
Der Samstag war dann echt schoen. Nach einer erfrischen Dusche waren wir unserem kleinen Cafe fruehstuecken. Hier sitzen auch immer total viele Traveller rum, voll schoen zu entspannter Musik das Bananaporridge geniessen 🙂 Dann liefen wir los (sah ja auf der Karte nicht so weit aus) – wir wollten das Red Fort besuchen. Zuerst ueber eine riesige Bruecke im Menschenstrom. Rechts, links und an der mittleren Absperrung baumelte Wolle auf den Zaeunen. Der Muell stapelt sich auf Daechern von Haeusern, die fast zusammen zu brechen scheinen. Das Verkehrschaos war wieder perfekt und Maenner zupften zwischen den Schienen Unkraut. Warum eigentlich? Wenn sich daneben die Muellberge stapeln. Aber was man hier lernt, dass man nicht alles verstehen kann und es auch nicht wird. Tja und dann kamen wir in ein ganz lustiges Viertel. Zugerammelte Strassen, super kleine, winzige Raeume rechts und links von der Strasse, worin sich kleine Sachen bis an die Decke stapeln. Erst 200 m die Strasse entlang Ersatzteile, dann Badzubehoer, danach Papier, spaeter Feuerwerkskoerper. Und so teilt sich das Viertel in bestimmte Einkaufsbereiche. Auf der Strasse waren nur Maenner und wir die einzige Weissen. Wahrscheinlich haette es auch gefaehrlich werden koennen, man weiss es nicht. Aber ich fand es eigentlich echt angenehm, denn hier waren keine Bettler, keine schmierigen Verkaeufer, die ihre Waren anpreisen nur geschaeftiges Treiben. Es war belebend. Man trieb einfach so mit, an kleinen Essensbuedchen und Muellhalden, mitten auf der Strasse, vorbei. In einer grossen Garage standen dann Kutschen mit ihren zugehoerigen Pferden. Tja und ich habe mich immer gefragt, wo sie untergebracht sind. Jetzt weiss ich es. Wir waren doch ganz froh, als wir dann das Viertel verliessen und vor der groessten Moschee Indiens standen. Ein Traum aus rotem Sandstein und weissem Marmor. Und schon taucht man wieder in eine neue Religion ein. Betende Maenner mit der Stirn auf den Boden gepresst und man selbst fuehlt sich als Eindringling. Die Attraktion fuer die Kleinen war ein Japaner (ich unterstell ihm einfach mal, dass er einer ist), der ihnen Origami zeigte. Voll suess, eine Traube kleiner Jungen, die fasziniert auf ein Blatt Papier starren, das sich zu Unglaublichem veraendert 🙂 Und dazu der tolle Ausblick von weitem auf das Red Fort, eine gigantische, rote Mauer mit kleinen Tuermen, die sich meterlang erstreckt. Naja, das war unser Ziel, doch als wir uns dann 1 km bis dorthin vorquaelten waren wir nur noch fertig. Diese Menschen, diese Autos. Wir haben echt schon Probleme mit der Luft gehabt, da hier so ein Smog ist, dass man sich am liebsten nur mit einem Taschentuch vor dem Mund vorwaerts bewegen moechte. Wir hatten dann auch keine Lust mehr rein zu gehen. Unser naechstes Ziel war der Busbahnhof, um mich ueber meine naechsten Reisemoeglichkeiten zu erkundigen. Ab auf eine Fahrradrikscha und rein ins Getuemmel. Dort angekommen fragten wir uns ewig durch, keiner konnte uns wirklich helfen und ich entschied mich dann fuer den Zug, es war uns dann einfach zu stressig. Doch eine Sache musste noch geklaert werden, meine Weiterfahrt nach Kathmandu. So stiegen wir in einen Bus, mit einer wagen Zielvorgabe. Dass wir dafuer dann 1 h brauchen, war nicht geplant. So erkundigten wir uns und das Ergebnis war ein klappriger Bus, in dem ich 36 h unterwegs waere. Ok, danke fuer die Info, aber dann muss es da wohl noch einen anderen Weg geben. Zurueckzu war dann wieder eine sehr lustige Fahrt. Was in Indien auch sehr schoen in den Bussen ist. Es gibt spezielle Sitze fuer Ladies und die Maenner stehen dann auch immer ganz pflichtbewusst auf, um Platz zu machen. 🙂
Abends waren wir dann nur noch geraedert und verkrochen uns wieder aufs Dach, um ein bisschen die Ruhe zu geniessen, denn dieser Tag war echt anstrengend aufgrund dieser vielen Menschen und Eindruecke.
Zu unseren letzten Tagen ist eigentlich gar nicht mehr soviel zu sagen. Wir genossen die Zeit, die wir noch zusammen hatten, streunten ueber unseren Basar, verhandelten und kauften ein. Alles ganz ruhig und sehr entspannend.
Heute ist nun Dienstag und wie schon gesagt, Karinas letzter Tag hier in Delhi. Wir fruehstueckten noch einmal in unserem Cafe und konnten es gar nicht so recht glauben, wie schnell doch die 4 Wochen vergangen sind. Ihr werdet es ja dann auch auf den Fotos sehen, die hoffentlich bald folgen, denn Karina war die letzten Wochen damit beschaeftigt, mir Dreads zu machen. Man kann sagen, es ist ein sehr langwieriges Unterfangen und das wird es auch noch bleiben. Zumindest begaben wir uns dann heute noch auf einen anderen Basar, um Haekelnadeln fuer die Haare zu kaufen (jetzt bitte nicht lachen 😉 ) Das war echt mal ein Erlebnis. So etwas habe ich noch nie in meinem Leben erlebt. So eine Masse an Leuten. Man fragt sich nur immer, wo die ganzen Leute her kommen. Wir quetschten uns durch sich endlos erstreckende Gassen, immer mit der Frage: „“Where we can buy crochet hooks?““ Das lustige war. Dieser Basar hatte nur einen Laden, der dies anbot und wir haben ihn anhand von Beschreibungen gefunden… Es war noch einmal ein tolles Erlebnis und der Tag verging auch viel zu schnell. Schon befanden wir uns auf dem Bahnhof und der Abschied war da. Jetzt hoffe ich natuerlich, dass Karina ihre Fahrt nach Bombay gut uebersteht und dann am Donnerstag wohl behalten in Deutschland landet. Fuer mich geht es jetzt auch weiter, meine Zugtickets habe ich schon in der Tasche. Morgen, also am Mittwoch geht es nach Jaipur, Ajmer und Pushkat, liegt alles in Rajahstan. Hier werde ich dann auch das Diwali(Lichter-)fest erleben. Naechsten Dienstag geht mein Zug nach Varansi und von dort soll es dann nach Kathmandu gehen. Drueckt mir die Daumen, dass alles klappt 🙂 Ich melde mich sobald es geht. Viele Gruesse, eure Jule

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