195.-199. Tag – Outback / Uluru

Am naechsten Morgen sind wir dann erstmal in die Stadt gefahren – Getraenkevorrat auffuellen und ein wenig durch die Mall schlendern. Voll schoen, mit vielen kleinen Rasenflaechen durchzogen. Ich versuchte dann meine Weiterfahrt zu organisieren und hatte zufaelligerweise auch einen Deutschen in dem Reisebuero, da ging das alles gleich viel schneller. Es artete dann trotzdem alles in Stress aus, da schon alle loswollten, sind immerhin noch 450 Kilometer bis Uluru, und ich mir noch einen Jugendherbergsausweis machen lassen musste. So rannte ich also quer durch Alice Springs in sengender Hitze. Am Ende hielt ich dann meine Tickets in der Hand, mit der Ghan (beruehmter Zut von Adelaide nach Darwin) bis nach Adelaide und von dort dann mit dem Bus weiter Richtung Melbourne. Dann ging es aber endlich los und wir erreichten Uluru direkt zum Sonnenuntergang. Als ich von weitem das erste Mal einen Blick drauf hatte, war ich schon irgendwie enttaeuscht. Ich hatte mir alles viel groesser vorgestellt und man war den Anblick auch schon von so vielen Postkarten vorher gewoehnt, wobei bestimmt ganz oft kraeftig mit roter Farbe nachgeholfen wurde. Am Ende war es ein grosser Felsblock im Nirgendwo. Viele andere Touristen waren auch mit am Aussichtspunkt und Valeria liess glaube ich 1000 Fotos von sich vor dem Felsen machen. Ansonsten war es sehr lustig, wir lachten viel und genossen die Verfaerbungen im Licht der untergehenden Sonne. Spaeter fuhren wir dann zum Zeltplatz, wo ich dann mit den beiden Jungs kochte. Ich versuchte mich mit Kartoffelbrei – es lebe Milchpulver und kleine Gabeln, waehrend sich Olivier und Julien ihren Wallabiekeulen widmeten. Spassig, spassig. Am naechsten Morgen ging es dann frueh um 5 los Richtung Uluru zum Sonnenaufgang. Ein Hoehepunkt war der riesige Mond, der am untergehen war. So etwas habe ich noch nie gesehen und man kann sich die Ausmasse kaum vorstellen – Wunderschoen. Beim Aussichtspunkt waren voll viele Chinesen – ach ja, ich fuehlte mich wie „“zu Hause““ – es war so gewohnt. Auf der einen Seite konnte man dann die aufgehende Sonne beobachten und auf der anderen Seite Ayres Rock, wie er seine Farben in der Sonne veraenderte. Nach etlichen Fotos ging es dann hautnah heran. Wir beschlossen einmal den Uluru zu umrunden. So nah, konnte man dann den Zauber einfangen – der Stein wurde zu etwas besonderem und auch das Gaensehautgefuehl kam zum Vorschein. Wunderschoene Formationen und Hoehlen im Steinmassiv waren zu beobachten, ein einmaliger Anblick. Relativ am Ende von unserem Rundgang hoerten wir viele Stimmen. Und dann sahen wir wie hunderte von Leuten muehsam den Felsen erklommen – sehr muehsam, da es wirklich nicht sehr einfach ist. Ich konnte es nicht glauben, denn im Visitorcenter konnten wir spaeter vermehrt die Bitte lesen, diese heilige Staette zu respektieren und nicht auf den Felsen zu klettern. Aber wie Touristen nun einmal sind, hat man vor so etwas natuerlich keinen Respekt – immer hoeher, immer weiter. Ich hatte mir in Thailand ein Philosophiebuch gekauft, worin auf die verschiedenen Kulturen eingegangen wird – Griechenland, Rom, Indien und China. Da war eine interessante Feststellung zu lesen. Waehrend sich die Buddhisten jahrhundertelang betend vor dem hoechsten Berg der Erde, Chomolungma – „“Göttinmutter der Erde““, verneigten und es dabei beliessen, kam Edmund Hillary und spaeter viele andere westliche Expeditionen, um das Unmoegliche moeglich zu machen und den hoechsten Gipfel der Erde zu erklimmen. Alles entdecken, alles unter Kontrolle bringen, sagen koennen, dass man auf dem Mount Everest war, sagen koennen, das man den Ayres Rock „“bezwungen““ hat. Da stellt sich dann natuerlich die Frage, warum die Regierung es ueberhaupt zulaesst. Rings um den Felsen sind mit Zaeunen abgetrennte Gebiete, wo immer wieder eine heilige Staette gekennzeichnet wird, die man weder fotographieren und betreten darf – unter Androhung einer Strafe von 5.000 AD. Also warum sperren sie nicht einfach den Aufgang, aus Respekt? Des Weiteren ist auch interessant, wie die Landaufteilungen im Gebiet sind. So befindet sich Ayres Rock und die Olgas in Nationalparks umgeben von Aboriginieland. Da hilft es dann auch reichlich wenig, dass die Parkgebuehr den Aboriginies zukommt. Doch jetzt ist es eh zu spaet und fuer Wiedergutmachung auch ein bisschen zu spaet, denn wenn ich mir die Aboriginies in den Staedten anschaue, ist von ihrer Kultur und ihren Wurzeln nicht mehr viel drueber geblieben. Naja, wie gesagt sind wir dann spaeter ins Visitorcenter. Dafuer das es freier Eintritt war eine wunderschoen hergerichtete Anlage. In der „“Wir““-Form der Aboriginies wird dir die Geschichte und die Legende um den Felsen erklaert – es gibt viel Video- und Fotomaterial – sehr informativ. Zurueck auf dem Zeltplatz waren wir dann im parkeigenen Pool schwimmen. Wir troedelten dann allerdings so lange rum, dass wir zu den Olgas nur zum Sonnenuntergang kamen. Dieser war allerdings gigantisch – nicht unbedingt die Olgas an sich, aber den Blick, den man von hier ueber die Wueste zum Uluru hatte – und der riesige Mond gleich daneben. Da wir auch die einzigen waren – Stille! Ein unbeschreibliches Gefuehl. Allerdings waren auch hier die Fliegen wieder sehr extrem. Also hiess es schoen den Mund halten, sonst waeren sie wahrscheinlich noch rein geflogen. Abends haben wir dann Karten gespielt und ich hab mich noch mit einem Deutschen unterhalten – wie entspannend nach ein paar Tagen Englisch und manchmal sogar etwas Franzoesisch – aber oh mein Gott, wie wenig ist doch nach 5 Jahren drueber geblieben, traurig. Am naechsten Tag ging es dann noch einmal zu den Olgas, um den Rundweg zu machen. Spaeter ging es dann zum Kings Canyon. Auf dem Weg passierten wir dann eine Raststelle mit Kiosk und allem moeglichen Schnickschnack. Man konnte einen Rundflug buchen, Quad fahren und Kamele reiten – fuer 5 Minuten 7 AD – sprich eine Runde im Paddock, die Kamele aneinandergebunden und in voller Montur mit Sicherheitshelm. Die ganze Prozedur des Zurechtmachens und Aufsteigens dauerte am Ende wohl laenger als der eigentliche Ritt. Wir begnuegten uns dann mit der Wanderung ueber die Klippen – ich muss sagen hier gefiel es mir am besten, denn das Naturschauspiel war einfach nur atemberaubend – der Canyon im Licht der letzten Sonnenstrahlen und einem wolkenverhangenen Himmel. Wir passten dann auch den Zeitpunkt so ab, dass wir auf unserem Rueckweg auf dem hoechsten Punkt den Sonnenuntergang erlebten – Ahhh, ich will noch mal!! 🙂 Genaechtigt haben wir dann auf dem Parkplatz des Kings Canyon umgeben von dem Geheul der Dingos – ohh, und die Toilette war so weit weg. Wir assen und spielten Karten auf Matratzen im Halbdunkeln – ja, es war wirklich eine sehr lustige Zeit mit allen zusammen. Am naechsten Tagen war der ganze Parkplatz voll mit den Tourbussen und wir machten schnell, dass wir wegkommen. Fuer uns ging es heute zurueck nach Alice Springs. Irgendwie versuchten wir auch die ganze Fahrt ueber Politik zu sprechen, aber beliessen es am Ende einfach, zu anstrengend in so einem Englisch-Franzoesisch-Mix!!! 😉 In der Stadt angekommen, ging so jeder seinem Kram nach, spaeter trafen wir uns zufaellig in der Mall und wir waren in einem Pub etwas trinken. Claire und Olivier machten sich dann auf die Suche nach einem Restaurant, in dem Krokodil- und Kaengurufleisch gab – jedoch schreckte der Preis dann auch sie ab und so landeten wir wieder im Woolworth und deckten uns mit Essen ein fuer ein BBQ. Im Supermarkt hier in Alice Springs war das Bild der Aboriginies besonders schlimm und mir kamen die Traenen, als ich sie beobachtete wie sie in den Markt reintorkelten und mit den Alkoholflaschen wieder herauskamen. So traurig! Wir sind dann zurueck zum Zeltplatz. Eigentlich wollte ich meine Thailandfotos brennen, aber ich musste feststellen, dass es nicht funktionierte, nun schon zum 2. Mal und ich war dann total traurig, dass alle Fotos weg sein sollten. Gluecklicherweise hatte es dann nach ewigem Versuchen bei Taryn geklappt. Langsam fange ich an Technik zu hassen (Speicherkarten, CD’s, nicht funktionierendes Internet) Naja, wir machten dann unser BBQ, doch im Vergleich zu den Australiern neben uns sehr, sehr bescheiden. Soviel Fleisch fuer 5 Mann, das war schon nicht mehr feierlich!!!! Mir ist beim Anblick fast schlecht geworden. Der Abend war dann auch etwas verkorkst, da sie immer wieder ankamen und uns betrunken ihre Kartenregeln erklaeren wollten, wobei man sie durch das Lallen kaum verstanden hat und wir auch nicht wirklich richtig Lust hatten 😉 Nun war auch schon der letzte Tag unserer gemeinsamen Zeit angebrochen – wieder mal traurig Abschied zu nehmen. Frueh hiess es dann erstmal Sachen packen und das Auto zur Abgabe herrichten – naja, ein paar kleine Blessuren und Dellen gehen wohl auf unsere Kappe 😉 Dann auf den letzten Druecker los, noch mal in den Supermarkt und die Mall lang, um mich mit meinem Reiseproviant auszustatten und dann zum Bahnhof. Schneller und schmervoller Abschied und dann ging es los Richtung Adelaide. Die Fahrt war sehr angenehm. Leider hatte ich nicht den Fensterplatz und so blieb mir die Aussicht meist versperrt – aber ich hatte noch einmal einen Blick auf meinen letzten Sonnenuntergang im Outback. Wir wurden auch mit 2 Filmen versorgt und irgendwie kringelten wir uns dann zusammen, meine Sitznachbarin zog auf die Erde und ich breitete mich auf den Sitzen aus. Voellig zerknautscht kam ich dann am naechsten Morgen in Adelaide an.

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