36./37. Tag – Varanasi

Am naechsten Morgen gingen wir um 5 Uhr !!! auf Fotojagd zu der allmorgendliche Waesche im Ganges. So machten wir uns auf zu den Ghats (Treppenstufen herunter zum Fluss).
etwas zu Varanasi:
Wenn ihr irgendwann einmal ein Foto seht, auf dem eine Masse an Menschen im Ganges baden, dann ist es 100%-ig aus Varanasi. Manche sagen auch, dass man hier das „“wirkliche Indien““ findet, da in dieser Stadt ein hohes Mass an Spiritualitaet und Glaeubigkeit herrscht. So gibt es verschiedene Ghats zum Baden und Waesche waschen und eingeschlossen werden diese an beiden Seiten von den Verbrennungsghats. Viele Hindus kommen im Alter aus ganz Indien, um hier zu sterben. Denn nur wer am Ganges verbrannt wird, findet Erloesung. So lodern die Scheiterhaufen die ganze Zeit nebeneinander. 3 Stunden braucht eine Leiche, bis sie vollstaendig verbrannt ist und 150 – 300 kg Holz. Dieses stapelt sich dann auch im Hintergrund. Ein wirklich skuriles Bild, das man kaum greifen kann. Da waschen, beten, schwimmen und singen die Menschen im Wasser, waehrend 10 Meter weiter die Leichen verbrannt werden wie am Fliessband. Es ist abstossend und fesselnd zugleich. In der Luft haengt der Geruch nach verkohltem Holz. Zur Zeremonie gehoert es auch, dass sich der aelteste Sohn die Haare scheren laesst und nur ein kleiner Stietz bleibt uebrig, zudem ist er ganz in weiss gekleidet, die Farbe der Trauer, und daher leicht in der herumstehenden Masse auszumachen. Gluecklich koennen sich die schaetzen, die einen Sohn haben, ansonsten wird den Toten der Schaedel eingeschlagen, damit die Seele entweichen kann. Eine bestimmte Gruppe zu der auch Kinder und Schwangere gehoeren sind rein und duerfen daher nicht verbrannt werden. Sie werden mit einem Boot auf den Ganges gebracht und mit Steinen versehen versenkt. Doch davon bekamen wir erstmal nicht soviel mit. Wir liessen uns treiben und beobachteten das bunte Getuemmel am und im Ganges. Jung und Alt tauchen in den Fluss ein, beten, waschen sich und werden von trommelschlagenden und singenden Maennern begleitet. Dazu die Touris, die auf den Booten das Ufer entlangschippern und das Treiben von der anderen Seite begaffen und fotografieren. Das ist so krass. Zack, Kamera raus und draufhalten. Dazu die Brahmanen (die hoechste Kaste, Priesterkaste), die mit Glaeubigen unter kleinen Schirmchen beten, kleine Maedchen, die Blumen verkaufen und die nervigen Bootsanbieter (kommen schon an die Rikshafahrer ran)… Man kann es nicht in Worte fassen und langsam weiss ich auch nicht wie mein Herz und mein Kopf diese ganzen Eindruecke verarbeiten sollen. In Varanasi herrscht solche Reizueberflutung und so faellt es mir schon etwas schwer das Bild zu beschreiben, da es dem Ganzen einfach nicht gerecht wird. Als dann die Sonne aufging und die Stadt und den Ganges in rotes Licht tauchte war die Szenerie perfekt. Einfach nur dasitzen und aufsaugen. So einen tollen Sonnenaufgang habe ich noch nie gesehen. Dann waren wir kurz bei den Verbrennungsghats und dann wieder rein in die verschlafenen Gassen. Schoen, mal einen Blick in private Wohnungen werfen zu koennen. Und so faszinierend wie Varanasi mit seinem Flussufer ist so faszinierend ist auch die Stadt selbst. Kuehe winden sich durch die engen Strassen und man muss aufpassen, wo man hintritt, Leute gruessen einen freundlich, rechts und links Shops mit allem, was das Herz begehrt, Hunde, Fahradrikshas. Alles auf einem Haufen. Wir hatten die ganze Zeit Probleme uns zurecht zu finden, aber irgendwie findet man immer seinen Weg und das trifft auf ganz Indien zu.
Dann trennten sich unsere Wege, Katja ist noch einmal zu den Ghats und ich wollte nach Sanath – der Stadt, in der Buddha nach seiner Erleuchtung seine erste Predigt hielt. Im Buddhismus gibt es 4 heilige Staedte (Geburtsort Buddhas, der Ort, in dem er unter dem Bogibaum seine Erleuchtung empfing, Sanath und sein Sterbeort) Mit der Riksha zum Bahnhof und natuerlich war es auch wieder kein Problem den richtigen Bus zu finden. Uebrigens ist Kautabak richtig eklig, das muss ich hier in Varanasi echt oefters festellten als sonst. Wenn dich dann die Bus- der Rishafahrer mit ihren schwarz-roten Zaehnen anstrahlen oder wenn sie gerade beim Genuss sind kaum den Mund aufkriegen. Genauso geschmackvoll ist es, wenn sie dann die rote Spucke auf dem Gehweg verteilen und man jedesmal denkt, dass Blut spucken 🙁
Im Bus traf ich dann auch eine total nette Japanerin, Hui, mit der ich mich auch die ganze Zeit unterhielt. Sie ist Dozentin fuer Japanisch in Bangladesch und hat glaube ich schon die ganze Welt gesehen, zumindest kam es mir so vor. So verbrachten wir eigentlich eher die ganze Zeit mit Quatschen und nahmen halt die heiligen Plaetze nebenbei mit 😉 Nein, es war schon sehr interessant, aber die ganzen kleinen Jungs, die staendig nach Fotos schrien, vereitelten es uns ein wenig. Im Museum traf ich dann auch 2 aeltere, oesterreichische Damen, die gar nicht glauben konnten, dass ich allein unterwegs bin und sich grosse Sorgen um meine Eltern machten 🙂 (An dieser Stelle: Mutti, Papa – ich hab euch ganz doll lieb, Danke fuer eure Unterstuetzung!) Am Abend war ich dann mit Katja und Daniel, einem hollaendischen Medizinstudenten aus unserem Hostel typisch indisch essen – Mhh, lecker.
Nun brach mein letzter Tag in Indien an, ich konnte es nicht glauben, wie schnell ist die Zeit vergangen?
Am naechsten Morgen ging es wieder um halb 6 zu den Ghats und diesmal reihten auch wir uns in die Menge der Bootstouris ein. Wir teilten uns dann das Boot mit 2 Hollaenderinnen und einer Israelin. Es war schon toll, alles von „“vorn““ zu betrachten, aber ich fuehlte mich dann doch schlecht, als wir so nah an die Menschen heranfuhren und diese doch eigentlich nur in Ruhe baden und beten wollten. So liess ich meine Kamera in der Tasche. Mir kam das alles eher wie Fleischbeschau vor. Allerdings war es sehr lustig die anderen Boote zu fotografieren und zu beobachten. 🙂 Dann haben wir ein ganz gemuetliches Fruehstueck in unserer Lodge gehabt mit Pankakes und netten Gespraechen. Nach dem Packen dann noch einmal in die Stadt. Wow, welche Eindruecke. Zuerst zum Goldenen Tempel, wahnsinnige Sicherheitsvorkehrungen, mind. 20 Polizisten, die sich mit der doppelten Anzahl an Affen im Vorhof rumtrieben. Da wir keine Hindus waren, konnten wir nur einen kurzen Blick auf die versteckte, goldene Kuppel werfen. Schon sehr beeindruckend. Anschliessend war ich auf der Suche nach meinem ultimativen Fotomotiv. Am Abend vorher hatte ich eine versteckte Ganesh-Statue entdeckt, die auf den Treppen davor eine riesige Masse an Suessigkeiten hortete. Leider getraute ich mich keine Fotos zu machen. Anmerkung: Ganesh ist ein Gott – der Sohn von Shiva. Als sein Vater eines Tages nach Hause kam traf er seine Frau Parvati mit einem Anderen. Im Zweifel, ob Ganesh sein Sohn sei, schlug er ihm den Kopf ab. Parvati aber forderte, dass er ihn wieder zum Leben bringt, das konnte Shiva aber nur, in dem er ihm den Kopf von dem Lebewesen gibt, dass sie als erstes sehen und das war ein Elefant. Also fragte ich mich durch die Laeden nach Ganesh – dem grossen, orangenen Elefanten und erntete viele Lacher, aber auch praezise Wegbeschreibungen 😉 Doch was musste ich entsetzt feststellen? Keine Suessigkeiten mehr da und der Ladenbesitzer sagte, dass das nur 1 x im Jahr passiert *heul* und ich war zu anstaendig ein Foto zu machen. Naja keine Zeit fuer Truebsal blasen und ab ging es ueber den Gemuesebasar wieder zu den Ghats. Wir gruessten jeden freundlich und so zogen wir „“Namaste““-sagend zu dem hinteren Verbrennungsghat. Auf dem Weg dahin beobachteten wir eine Kuhwaesche im Ganges (ja auch die heiligen Tiere duerfen in den heiligen Fluss und werden dort liebevoll abgeschrubbt), eine Kuh hatte gerade frisch gekalbt und so lag das kleine Etwas dort auf den Stufen. Wieder einmal ein tolles Beispiel, wie nah doch Tod und Leben parallel von statten gehen. Als wir an einem Gulli vorbeikamen, konnte ich meinen Augen nicht trauen. Ein junger Mann kam mit einem spaerlichen Blecheimer voller Guelle aus dem Loch gekrabbelt – selbst vollkommen verkleistert. Somit haben wir auch einen Unberuehrbaren gesehen (ein Anhaenger der untersten Kaste, die nur solche niederen Arbeiten verrichten duerfen) – mir brach es fast das Herz, denn es besteht keine Chance fuer sie, diesem Leben zu entfliehen, sie finden sich wahrscheinlich einfach damit ab. Am Verbrennungsghat wurde das mulmige Gefuehl dann noch schlimmer. Es ist wirklich schrecklich und gleichzeitig faszinierend, wenn man die Leichen auf den Scheiterhaufen sieht, wie sie brennen. Wir blieben dann auch eine ganze Weile, man kann einfach nicht den Blick davon lassen. Und dann passierte etwas ganz verruecktes. Dahinter im Ganges sahen wir 2 Rueckenflossen in regelmaessigen Abstaenden auftauchen. Ja, ist denn das zu fassen? Da sehe ich meine ersten freilebenden Delphine im wahrscheinlich dreckigsten Fluss ueberhaupt… Es war einfach nur eine skurile Situation. Weiter ging es, vorbei an holzhackenden Kindern, wieder rein in die kleinen Gassen. Doch diesmal soweit ab, dass man keine Touris traf, nur Einheimische. Es war toll. Fotos machen, nette Gespraeche, Ruhe – Gluecklich. Dann noch einmal auf dem Obstmarkt das lustige Treiben aufnehmen, mich von der indischen Kueche verabschieden mit einem super leckeren Essen und dann war es auch schon an der Zeit aufzubrechen.
Ab auf die Riksha und zum Bahnhof *schnueff*. Als ich dann weiter zum Busbahnhof bin, fuehlte ich mich doch etwas allein. Komisch, wie schnell man jemanden nach 2 Tagen schon so ins Herz schliessen kann. Das war es dann fuer Indien… Auf ging es zu meiner 2. Station – nach Nepal

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