61.-65. Tag – Shigatse / Gyantse

So, es ist mal wieder Zeit fuer einen neuen Bericht und es gibt viel zu erzaehlen 🙂
Der letzte Tag in Kathmandu war wunderschoen. Ich ging mit Prabhat durch die Altstadt, zum Durbar Square, durch verwinkelte Gaesschen und zu vielen Shops. So ergatterte ich dank seiner Hilfe eine warme Jacke fuer Tibet, worueber ich jetzt total dankbar bin, denn hier herrschen lausige Temperaturen. Danach waren wir noch bei ihm zu Hause, ein richtig altes, typisch nepalesisches Haus mit einem Innenhof. Super schoen und natuerlich wurde ich wieder mit ordentlichem Essen versorgt, aller Protest ist dabei zwecklos. So verging der Tag wie im Flug und abends hatten sie wieder einen Auftritt. So war es fuer mich das letzte Mal, dass ich sie spielen hoerte *schnief* Und wie es der Zufall will, lernte ich an meinem letzten Abend wieder ein ganz nettes Maedchen aus Deutschland kennen, natuerlich aus Koeln, woher auch sonst 🙂 Ich glaube, es gibt zu viele Koelner. Sie gab dann auch ein Lied zum besten und es war ein richtig toller Abend. Am Ende schliefen wir dann alle bei Mimesh (einer von der Band) und am naechsten Morgen um halb 7 ging mein Bus nach Tibet. Ich bin richtig traurig, jetzt aus Nepal weg zu sein, denn es war wunderschoen und wie gesagt, die Leute supernett. Dann zuckelten wir los und hielten spaeter an einem kleinen Restaurant um zu fruehstuecken, von dem man noch einmal eine tolle Aussicht auf die Terrassenhaenge hatte. Die Landschaft war atemberaubend schoen und so langsam naeherten wir uns den Bergen. Entlang an einem Fluss ging es durch die gruene Landschaft Nordnepals, vorbei an kleinen Doerfern, Feldern, die sich an den Berghaengen befinden, vielen Einheimischen und Kindern, die an der Strasse stehen und winken. So schlaengelten wir uns die Berghaenge hinauf und erreichten irgendwann die chinesische Grenze. Und so wie ich gehoert habe, klappt wohl keine Tibettour reibungslos, warum sollte das dann bei uns anders sein? Wir gingen uns also erst unseren nepalesischen Ausreisestempel abholen und passierten dann das Tor zur chinesischen Seite. Der Anblick war wunderschoen, denn die Grenzstadt befindet sich an einem Berghang und das klare Wasser des Flusses beeindruckte, war ich ja gar nicht mehr gewoehnt. Doch dann warteten wir und warteten und warteten. Kurz zur Erklaerung. Meine Reisegruppe bestand aus 2 Bussen, die aus Kathmandu eintrudeln sollten. 8 Personen von meinem Bus konnten schon weiter fahren, wir trafen sie dann aber erst 3 Tage spaeter wieder und wir waren am Ende 19 Personen in 5 Jeeps. Tja, der 2. Bus aus Kathmandu liess aber sehr lange auf sich warten, spaeter erfuhren wir, dass sie 2 Reifenpannen unterwegs hatten. So war es dann im Endeffekt zu spaet, die Grenze war geschlossen und wir mussten in dem Grenzort schlafen. Es war kalt, kalt, kalt, denn von Isolation und Heizung hat man hier noch nichts gehoert. Wir gingen dann zu zehnt essen und es war gelinde gesagt schwierig. Erstmal in so einer grossen Gruppe und dann noch auf chinesisch. Am Ende bekamen wir sehr leckeres Essen, wurden davon 3 mal satt, aber es war komplett das Gegenteil von dem was wir bestellt hatten. Zumindest hat das mit den Staebchen ganz gut geklappt. Am Anfang war es fuer mich etwas schwierig. Ich war es gar nicht mehr gewohnt soviele Leute um mich zu haben und ich wollte lieber allein sein und zurueck in Kathmandu. Der naechste Tag begann dann auch nicht so verheissungsvoll. Wir mussten zurueck zur Grenze. Dreifachcheck vom chinesischen Grenzbeamten und dann durch. Wir hatten aber einen Schwarzen mit dabei, der einen UK-Reisepass hat. Leider glaubten sie ihm nicht und unterstellten ihm, dass er gefaelscht ist. So warteten wir 3 h. Dann fuhren wir mit 4 Jeeps los, unser Guide blieb da, letztendlich wurden 400 Euro gezahlt, er musste zurueck nach Kathmandu und das ganze dauerte 2 Tage. So dass wir unseren Guide erst am dritten Tag wiedersahen. Ich sass in einem Jeep mit 2 Belgiern und einer Australierin, Taryn, mit der ich mir auch die restliche Zeit immer ein Zimmer teilte. So fuhren wir also durch die wunderschoene Landschaft des Himalayagebirges. Worte dafuer zu finden, ist ungemein schwer. Teilweise sah die Landschaft aus wie eine graue Wueste, teilweise steinig und rauh. An dem Tag fuhren wir dann auch ueber einen 5050m-Pass. Wahnsinn. Auf jedem Pass befinden sich Unmengen von Gebetsfahnen, die ueber die Strasse gespannt sind. Von diesem Punkt hatte man eine wunderschoene Aussicht auf das Annapurnagebirge. Diese riesigen, weissen Giganten wie sie in der Sonne glaenzen. Da wir so spaet dran waren, schafften wir natuerlich nicht mehr unser eigentliches Ziel. Aber eigentlich war das gar nicht schlimm. Denn so erlebten wir den Mt.Everest im Licht der untergehenden Sonne und den unbeschreiblichen Sternenhimmel in der Weite der Landschaft umgeben von Bergen. Wir schliefen dann in einem richtig alten, tibetischen Guesthouse. Aber es war richtig gemuetlich – abends am Ofen, alle zusammen, leckeres Essen und ein kleiner Sprachkurs in Hebraeisch und Japanisch. Aus unserer Gruppe waren Leute aus Israel, Australien, USA, UK, Deutschland, Holland, Belgien, Spanien, Malaysia, Japan und Kroatien. Also eine bunt-gemischte Gruppe. In der Nacht hatte ich ein wenig Probleme mit Kopfschmerzen, da wir in 4500m Hoehe geschlafen haben. Aber viel trinken hilft. Am naechsten Morgen ging es dann weiter und wir erreichten relativ puenktlich den geplanten Treffpunkt – Shigatse. Das Leben hier in Tibet ist bestimmt nicht leicht auf dem Land. Es ist wirklich lausig kalt, es waechst nichts und ich habe mich die ganze Zeit gefragt, was die Tiere auf diesem kargen Boden finden. So sitzen dann die Tibeter dick eingepackt am Strassenrand oder arbeiten auf dem Feld. Eine Kuriositaet, die mir aufgefallen ist: die Trageweise von Lasten in den verschiedenen Laendern – in Indien tragen die Frauen alles auf dem Kopf, in Nepal haben sie ihre Lasten in Saecken mit einem Tragegurt, den sie vorn an der halten und hier in Tibet haben sie dieselben Saecke, aber sie tragen den Gurt vorn um den Oberkoerper. Shigatse hingegen wirkt dann gar nicht mehr aermlich – eine wunderschoene Stadt, ich habe mich sofort verliebt. Auffaellig sind hier die extrem breiten Strassen und die grossen Plaetze – typisch chinesisch. Ueberhaupt erinnert sehr wenig an Tibet ausser das gigantische Kloster, was am Berghang gebaut ist und somit die Stadt ueberragt. Wir assen dann auch sehr gut und irgendwie klappt es mit Haenden und Fuessen. Spaeter lief ich durch die Stadt und genoss den Sonnenschein, denn dann ist es wenigstens ein bisschen warm. Die Tibeter sind wunderschoene Leute und es ist einfach nur schoen, sie zu betrachten mit ihren traditionellen Kleidern – schwere lange Roecke, meist braun und dann farbige Baender in den Haaren eingeflochten, tuerkis- und orangefarbende Ohrringe und farbige Tuecher um den Hals. Die meisten koennen zwar nur „“Hello““, aber das hoert man dann auch sehr oft. Dass sie sehr schuechtern sind, kann ich nicht behaupten, aber die Verstaendigung bleibt dann meist wirklich nur bei diesem einen Wort. Allerdings wird man immer angestrahlt. Das Hotel war uebrigens Extraklasse – riesengross mit Fernseher, heissem Wasser und allem Schnickschnack – Zahnbuerste, Shampoo, Seife, Kamm, Handtuecher… Am naechsten Morgen besichtigten wir dann das Kloster. Um die Kloester herum sind meist Gebetsmuehlen – goldene Zylinder mit Schriftzeichen, die man drehen kann. So ziehen die Pilger um das Kloster und drehen die
Gebetsmuehlen, es sind hunderte. Hier in Tibet gibt es wahnsinnig viele Glaeubige und natuerlich die buddhistischen Moenche in ihren weinroten Kutten und den rasierten Haaren. Es ist einmalig schoen. Das Kloster ist wie eine eigene kleine Stadt und im Zentrum befinden sich dann mehrere grosse Raeume. In der Haupthalle sitzt eine 20m-hohe Buddhastatue aus Gold. Diesen Anblick kann man nicht beschreiben. Es ist immens und atemberaubend. Vor der Statue fallen die Leute auf die Knie und legen die Stirn auf den Boden. Das Geld quillt vor der Statue ueber und in jedem Kloster findet man riesige Schalen gefuellt mit Wachs und mehreren Dochten, die von den Moenchen beaufsichtigt werden. Es ist wirklich unbegreiflich und traumhaft schoen. So verbrachten wir 2 Stunden in dem Kloster, schlenderten herum und genossen den Anblick und die Stimmung. Weiter ging es dann nach Gyantse. Unser Fahrer war richtig nett und er liebt Musik, so summte er jede Minute vor sich hin. 🙂 Auf der Strasse begegnet man kleinen Pferdegespannen, Traktoren, laufenden Leuten (wobei 5 km davor und danach keine einzige Wohnsiedlung ist) vielen Yaks und kleinen Ziegen, die wie abgebrochene Fellknaeule ueber die Strasse fegen. Zum Glueck konnte das Maedchen aus Malaysia chinesisch, so war es mit ihr nicht ganz so schwer, essen zu gehen. Auch in Gyantse hatten wir wieder ein Luxushotel und ich genoss mein erstes Bad. Ich dachte ja nicht, dass ich sowas ueberhaupt noch einmal bekomme, bevor ich wieder zurueck bin. Die Wanne war zwar eine Miniausgabe, aber was solls, das Wasser bruehend heiss. Das konnte man aber auch angesichts der Zimmertemperaturen vertragen 🙂 Langsam hatte ich mich auch an meine Gruppe gewoehnt und es war richtig toll, jeden Abend und jeden Morgen zusammen zu essen, zu quatschen und Spass zu haben. Ich glaube ich hatte richtig Glueck, denn alle sind sehr nett und ein paar werde ich bestimmt wieder sehen im Verlauf meiner Reise. Am naechsten Tag ging es dann wieder auf 5050m hoch, aber jetzt hatte man sich schon ganz gut akklimatisiert. Wir hielten dann unterwegs in einem kleinen Dorf. Das war so faszinierend und bezaubernd. Ein paar verteilten mitgebrachte Sachen an die Kinder und wir konnten uns auch ein paar Haeuser von innen anschauen. Ein einmaliges Erlebnis. Mittag hatten wir dann in einem kleinen Restaurant, wobei die Maenner ein Wuerfelspiel spielten, bei dem ich bis jetzt nicht recht die Regeln verstanden habe 😉 Ja und wie gesagt, die ganze Zeit hatten wir diese wunderschoene Landschaft um uns herum, so dass man aus dem Staunen kaum herauskam. Dann erreichten wir Lhasa. Wir verabschiedeten uns von unserem Fahrer und bezogen wieder ein tolles Hotel und diesmal sogar mit Heizung – wow, das ist hier wirklich purer Luxus. So, jetzt schreibe ich schon wieder 2 h, meine Finger sind inzwischen kleine Eisbloecke. Alles weitere zu Lhasa dann in den naechsten Tagen. Heute kuemmere ich mich um mein Ticket nach Peking und dann soll es naechste Woche am Mittwoch losgehen. Oje, das wird ein Kampf 🙂 Liebe Gruesse, eure Jule

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