244-247. Tag – Whangarei

Nun sollten also meine Tage auf der Farm beginnen. Ich war schon total aufgeregt, da ich gar keine Ahnung hatte, was auf mich zukommen wuerde. Ich werde die Tage auch relativ grosszuegig zusammenfassen, da sich am Ende doch eine Routine eingespielt hatte und es schwierig ist, jeden Tag detailliert zu beschreiben.
Ich schleppte mich dann am Morgen zum Bus mit meinem schweren Gepaeck. Dass der Busbahnhof auf einem Huegel lag, machte das ganze nicht einfacher 😉 Zufrieden sank ich in meinen Sitz und ungeduldig wartete ich darauf, endlich in Whangarei anzukommen. Tja, und auch dort wartete ich dann und wartete und wartete. Alle Mitpassagiere waren in der Zwischenzeit verschwunden, sogar der liebenswuerdige, asiatische Herr, der mir beim Warten Gesellschaft leistete, wurde aufgelesen. Am Ende sass ich dann allein mit meinem Rucksack dort. Irgendwann rief ich dann an und ein paar Minuten spaeter, rauschte ein Jeep an, mit einer ganz zerknirschten Ellen. Sie war gerade dabei fuer ihre Tochter ein Geburtstagsgeschenk zu kaufen und hatte mich einfach mal vergessen. Dann ging es auf Shoppingtour – Hufoel aus dem Pferdeladen, Handy als Geburtstagsgeschenk, Essen fuers Abendbrot, Socken fuer die Schuluniform, Schuhe fuer das juengste Maedchen, Thermosflaschen fuer die Kinder und Schraenke im Sonderangebot 😉 Super lustig. Ich glaube, da bekam ich die erste Ahnung wie chaotisch das Familienleben werden wird. Aber mit Chaos kenne ich mich ja auch bestens aus. 😉
Die Familie besteht aus Ellen (Amerikanerin) und Michael (Neuseelaender) sowie ihren bezaubernden Kindern Audrey (9 Jahre), Hiki (11 Jahre), Ben (13 Jahre) und Annabell (17 Jahre). Und sie sind wirklich bezaubernd, eins schoener und suesser als das andere. Dazu kommt der Hund Flip, der nur hoert, wenn man ihm Futter vor die Nase haelt und 2 Katzen, die Narrenfreiheit geniessen. Zusammen wohnen sie in 2 Farmen – die eine ist das eigentliche Wohnhaus unter der Woche – wunderschoen, umgeben von Koppeln, auf einem Huegel von dem aus man jeden Abend einen fantastischen Blick auf den Sonnenuntergang hat und nachts auf die Sterne. Hier befindet sich auch die Reitschule, die bis zu 25 Pferde beherbergt. Die 2. Farm liegt ungefaehr eine Stunde Autofahrt entfernt an der Kueste und ist mindestens genauso schoen. Hier verbringen sie jedes Wochenende und der Mann lebt meist hier, da sie ein riesiges Land zu bewirtschaften haben mit Milchkuehen, 20 weiteren Pferden und einem Backpacker. Den ersten Tag sah ich dann bei den Reitstunden zu und gluecklicherweise war noch ein anderes Maedchen dort, dass mir alles ein wenig erklaerte. Denn es ist schwierig, wenn man helfen moechte, aber nicht so recht weiss wie alles ablaeuft. Die Konstellation sollte sich am Ende jedoch als nicht ganz so einfach rausstellen, denn die erste Woche war es doch etwas schwierig. Das andere Maedchen war schon laenger da als ich, meist gab es nicht so viel zu tun und da sie wusste wie alles ablaeuft, wurden ihr meist Aufgaben gegeben. Auch war es so, dass Ellen regelrecht einen Narren an ihr gefressen hatte und ich mir manchmal doch ziemlich deplatziert vorkam. Schlussendlich muss ich sagen, dass es gut war, dass das andere Maedchen eher abreiste, denn ansonten haette ich wahrscheinlich eher meine Koffer gepackt, denn es war nicht immer angenehm. Jedoch mochte ich den Platz total gern und auch die Kinder sind mir ziemlich schnell ans Herz gewachsen. In der Reitschule arbeiten auch noch 2 weitere Frauen, Michelle und Emma, wobei Michelle mit ihrem Mann und ihren 3 Kindern auch noch auf der Farm in einem Extrahaus wohnt. Es herrschte also immer Leben im Haus, was oft ganz schoen, manchmal aber auch anstrengend war 😉 Ich hatte mein Bett im Dachgeschoss und oft war es toll, einfach mal die Tuer hinter sich zumachen zu koennen, waehrend ueber das Fernsehprogramm oder irgendetwas anderes Banales gestritten wurde 🙂 Am zweiten Tag begann dann fuer mich der erste richtige Arbeitstag. Eigentlich sollte es ja so aussehen, dass ich etwa 4 Stunden mit den Pferden helfen sollte und eine Stunde Arbeiten im Haus zu erledigen hatte. Jedoch war es meist nicht am Stueck arbeiten, sondern man hatte halt den ganzen Tag immer mal etwas zu tun. Es fing an gegen 10 mit Pferde fuettern und dann ein bisschen Hausarbeit. Nach dem Mittagessen wurden die Pferde dann geputzt und gesattelt und gegen 3 fingen die Reistunden an. Wenn kleine Kinder in der Gruppe waren, haben wir dort auch mitgeholfen, ansonsten konnten wir zusehen oder etwas anderes machen. Abends half ich dann mit beim Abendbrot… Meist arbeitete ich aber viel mehr als die vorgesehenen 5 Stunden, aber es machte Spass und in beiden Farmen gab es eine Menge zu tun!!! Das Schoene war am Ende, dass man sah, was man geschafft hatte und mir machte es einfach nur Spass, nach dem ganzen Rumreisen wieder richtig mit anzupacken. Abschliessend kann ich wohl sagen, dass ich so eine Mischung aus Pferdepfleger, Reitlehrer, Au Pair und Putzfrau war 😉 Entschuldigt bitte, wenn es jetzt etwas pferdelastig wird, aber ich moechte auch das festhalten. Ich bekam dann am zweiten Tag meine Einweisung wie hier mit den Pferden umgegangen wird und ich sass seit Ewigkeiten wieder auf einem Pferd. Und es war herrlich 🙂 Sie wenden hier eine besondere Methode an, das ganze nennt sich „“Natural Horsemanship““ und basiert auf der Kommunikation zwischen Mensch und Pferd. Wirklich sehr beeindruckend, ich habe so etwas vorher noch nie gesehen. Ein Beispiel – das Pferd folgt dir, ohne die geringsten Hilfsmittel, was den ganzen Umgang enorm vereinfacht und einfach nur Spass macht. Abends flog die ganze Familie aus, um Annabells Geburtstag zu feiern und wir bekamen Besuch von einem irischen Paerchen, das auf der anderen Farm als Wwoofer gearbeitet hatte. Es war super nett und sie brachten noch ein weiteres, neues Familienmitglied mit, eine schneeweisse Katze mit wunderschoenen blauen Augen. Sie kam dann auch mit mir abends mit und schlief eingekugelt auf meinem Bett, so suess 🙂 Der naechste Tag war recht unspektakulaer, ausser einem Riesenberg an Waesche und der taeglichen Arbeit mit den Pferden. Am Donnerstag durfte ich dann in der Reitstunde mitreiten. Das war ein Traum und ich war danach total befluegelt. Ich dachte eigentlich, alles verlernt zu haben, aber wahrscheinlich ist es wirklich wie Fahrradfahren. Das verlernt man ja auch nicht. Es klappte alles super und anschliessend brachten wir die Pferde im Dunkeln zu anderen Wiesen. Unter einem grossartigen Sternenhimmel liefen wir wieder zurueck. Es ist wirklich ein toller Ort. Und das Schoene am Wwoofen ist, dass man super leckeres Essen bekommt 🙂 Ich glaube, das brauchte ich wirklich, nach dem kargen Speiseplan eines Backpackers. Meine Figur dankte es mir jedoch nicht wirklich 😉

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