281.-283. Tag – Toronto

Waehrend der Fahrt wurde relativ oft gehalten, was das Schlafen nicht unbedingt einfach machte. In Buffalo wechselte ich dann den Bus und der Grenzuebertritt war im Vergleich zu dem in die USA sehr einfach. Im Sonnenaufgang fuhren wir dann nach Toronto. Ich unterhielt mich dann auch ganz nett mit meinem Sitznachbarn, Ola aus Nigeria, der seinen Bruder in Toronto besuchte – wir hatten viel zu lachen! 🙂
Auf dem Busbahnhof angekommen, rief ich Steve an und dann wartete ich und wartete und wartete… Ich mag es nicht zu warten, habe ich das schon irgendwann einmal erwaehnt. Ich malte mir die ganze Zeit aus, was ich machen sollte, wenn er jetzt nicht kommen wuerde, habe ich die richtige Strasse genannt, gibt es noch mehr als einen Starbucks in der Naehe… Nach fast 2 Stunden kam er dann, Glueck gehabt. Wir fuhren zu seinem Haus und dieses ist so schoen – fuer kanadische Verhaeltnisse sehr alt, recht klein im Vergleich zu den Nachbarhaeusern, dafuer sehr gemuetlich – mit einem kleinen Innenhof, der von Baeumen ueberragt ist und ueberall in den Zimmern haengen Fotographien von seinen Reisen. Da wurde ich dann wieder nach Tibet, Thailand und Vietnam versetzt. Und es war sehr, sehr ordentlich. Im Laufe der Zeit stellte sich dann auch raus, dass Steve wohl so eine Art Ordnungsphobie hat. Alles hatte seinen Platz und wurde auch sofort richtig gerueckt, wenn es sich mal nicht dort befand, wo es hin gehoerte. Ich kam mir zwischen zeitlich vor wie in einem Museum – ja, nichts anfassen. Aber gut, ich wunderte mich zwar, legte jedoch alles immer brav an den Ursprungsplatz zurueck. Die meiste Zeit unterhielten wir uns dann im Hof und genossen die Sonnenstrahlen, die durch die Blaetter fielen. Steve ging dann nachmittags arbeiten und ich genoss die Ruhe nach den letzten Hostelaufenthalten – ein Bett in meinem eigenen Zimmer (zumindest fuer die Zeit). Am naechsten Tag hatte er sich dann extra fuer mich frei genommen und wir fuhren zu den Niagarafaellen. Wahrscheinlich kam es mir zu Gute, dass ich mir nicht wirklich viel davon erhoffte oder grosse Erwartungen hatte, denn bevor man ueberhaupt einen Blick drauf hat, kaempft man sich durch einen Strassenjahrmarkt hindurch – ein Riesenrad, Erlebnisgaststaetten, Spielhoellen und alles mit bunten Lichtern verziert saeumen die Strasse. Also nichts mit romantischer Schoenheit, denn ist man dem laermenden Chaos entronnen, warten schon die Touristenmassen auf einen. Aber wie gesagt, ich hatte mir gar keine Gedanken weiter gemacht und so war es fuer mich nicht wirklich schlimm. Im Gegenteil bevor wir direkt zu den Faellen sind, setzten wir uns in einen kleinen Park und beobachteten die ganzen Leute und ich finde immer noch, auch jetzt am Ende der Reise, dass das mit die schoensten Momente waren, bei denen man viel ueber andere lernt und es mich persoenlich immer sehr froehlich und gluecklich gemacht hat. Dann gingen wir aber natuerlich zu den Niagarafaellen, die ja unser Reiseziel waren und sie sind sehr, sehr beeindruckend – besonders die Schnelligkeit der Wassermassen, die sich in die Tiefe stuerzen – einmalig schoen und so standen wir einfach da und genossen den Anblick. Recht lustig anzuschauen waren die Bootstouren, die auf dem Fluss gemacht werden, ich moechte nicht wissen, wie viel dort am Abend in den Kassen zusammenkommt. Eingepfercht fuer eine halbe Stunde stehen sie dann alle wie kleine Schluempfe mit ihren blauen Regenjacken auf dem Deck und werden wahrscheinlich trotzdem plitschnass und so rotieren 3 oder 4 Boote und jedesmal vollgepackt mit Touristen – Marktluecke erkannt, wuerde ich sagen, denn so wie ich das gesehen habe, gibt es auch nur einen Anbieter.
Wir entschieden uns dann fuer das gelbe Team, was bedeutete wir gingen auf eine Plattform ein Stockwerk tiefer, von der man dann die Wassermassen aus einer anderen Perspektive erleben konnte und wir konnten auch hinter die Wasserfaelle, jedoch war das sehr, sehr unspektakulaer, da es einfach nur laut ist und man eh nichts als Wasser sieht, aber man kann sagen, man war hinter den Faellen gewesen. Amuesant war es in der Warteschlange – alle mit ihren gelben Regencapes und dann war dort auch eine Gruppe von Leuten – so etwas habe ich noch nie gesehen. Das stimmt nicht ganz, denn im Bus war auch ein Paerchen, jedoch dachte ich mir damals, dass diese wohl eine absolute Ausnahme sind. Doch dort standen wieder welche und diesmal eine ganze Gruppe – in Kleidungen aus dem 18. Jahrhundert – die Maedchen und Frauen in altmodischen Kleidern und mit Hauben, die Maenner in braunen Stoffhosen, Westen und mit riesigen Baerten oder Kotletten zu einem Pagenschnitt. Mir wurde dann gesagt, dass es viele dieser Leute gibt, die in Gemeinschaften zusammen wohnen, meist auf Farmen, und halt wie vor 150 Jahren. Sie bauen ihre eigenen Sachen an, fahren noch mit Pferdegespannen und wie gesagt, sie kleiden sich auch so. Sie waren einfach nur faszinierend, da sie alle so sittsam und rein aussahen und wie sich herausstellte, sind ihre Vorfahren aus Deutschland. So war das also damals…
Nachdem wir etwas gegessen hatten, gingen wir dann noch in eine kleine, tropische Gartenanlage und auf dem Rueckweg hatten wir dann einen wunderschoenen Regenbogen ueber dem Wasser – wunderschoen!!!!! Ja, dann wieder rein ins bunte Gewuehl der Strassen bevor wir uns auf den Weg zu einer relativ alten, historisch wichtigen Stadt machten. Hier befindet sich das Fort George und hier fand auch eine bedeutende Schlacht im amerikanisch-kanadischen Krieg statt. Wir fuhren an den See und hatten dort einen herrlichen Ausblick in der Abenddaemmerung. Ein Gefuehl der Ruhe und Zufriedenheit entstand, es war grossartig. Dann liefen wir noch ein wenig durch die Strassen vorbei an riesigen Villen, die eher kleinen Maerchenschloessern aehnelten. Auch die Anwesen auf dem Weg zu der Stadt zeugen von viel Reichtum, es war einfach nur gigantisch und ich fragte mich, was man wohl mit so vielen Zimmern anstellen kann. Dann ging es zurueck nach Toronto und ich habe selten so einen schoenen Sonnenuntergang gesehen. Der Himmel ueber uns war golden, unbeschreiblich. Als wir dann wieder die Stadt erreichten, war es bereits dunkel. Wir hielten an einem kleinen Strand, von dem man einen tollen Blick auf die beleuchteten Wolkenkratzer der Stadt hatte. Dazu die violette Himmelsfaerbung, der Mond und die Wildgaense, die im Wasser schwammen – einfach der perfekte Ausklang des Tages. Essen waren wir dann noch in einem Pub bevor es entgueltig zurueck ging.
Den naechsten Tag verbrachte ich dann damit, die Fotos hochzuladen und das dauerte lang 🙂 sowie die Ruhe im Haus. Es war eine schoene Zeit mit Steve, wenn auch sehr kurz, da er am naechsten Tag mit seiner Mutter in die USA wollte…

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