83./84. Tag – Hongkong

Hallihallo,
da bin ich mal wieder, noch nicht verschollen, aber mit wenig Zeit oder schlechten Internetplaetzen ausgestattet – das soll jetzt eine Entschuldigung werden. 😉
Bevor es dann nach Hongkong geht noch schnell etwas zu meinem letzten Abend in Xi’an. Es war doch sehr schoen 🙂 Bevor ich mit der Schweizerin, Nicole, los bin, lernte ich auch noch meinen neuen Zimmergenossen kennen, wie sollte es anders sein – ein Israeli. Mensch, Mensch, die sind aber auch wirklich ueberall. Eigentlich wollte ich ja noch ein wenig schlafen, bevor es losgeht, aber die Zeit verging dann mit Quatschen. Danach zuckelten Nicole und ich mit dem Bus los, Richtung Big Goose Pagoda. Um ehrlich zu sein, holte Xi’an nicht wirklich die Entdeckernatur in mir hervor, mehr von dieser Stadt zu sehen. Es war gross, laut, nicht wirklich schoen (wenn man es so unter dem architektonischen Gesichtspunkt betrachtet) und das Wetter war ja auch nicht der Himmel auf Erden. Aber bevor ich dann wirklich ganz weg bin, sollte der Pagoda dieses Defizit etwas ausgleichen. Das tat er dann auch 🙂 Es war wirklich sehr schoen und es bewahrheitete sich wieder mal, dass eine Stadt immer 2 Gesichter hat – eins am Tag und ein ganz anderes in der Nacht. Er war also in ein spektakulaeres Lichterspiel getaucht und auch der Park in Terassenform davor war sehr schoen anzusehen und zu geniessen. Das taten wir dann auch zur Genuege und redeten sehr viel. Ach ja, schoen. Die Fahrt zurueck war auch wieder ein kleines Erlebnis. Wie immer sprach keiner Englisch und da wir Richtung Bahnhof mussten, behilft man sich mit dem Immitieren einer Dampflok, um zu fragen, ob es denn der richtige Bus ist. Obwohl ja schon laengst keine mehr auf den Schienen zu finden sind, wird man immer verstanden. Ich kam mir dann nach dem 4. Bus doch etwas merkwuerdig vor, wenn ich mein tschtschtschtsch tuhhht, tuhhht vorzischte, aber mich kennt ja hier eh keiner, in dem Sinne immer weiter zum Deppen machen, habe ich auch zum Glueck immer geschafft, wenn ich dann in die grinsenden Gesichter um mich herum schaute 🙂 Wir landeten dann irgendwann auch gluecklich wieder im Hotel. Am naechsten Tag ging es dann Richtung Bahnhof. Diesmal war ich schlauer und habe mir gleich einen Platz im Sleeperabteil geholt. Nicht noch einmal 24 Stunden sitzen, das haette ich glaube nicht verkraftet. Langsam wird auch der Rucksack immer schwerer, nachdem nach Xi’an auch noch ein kleiner Miniaturterrakotta-Soldat dazu gekommen ist. Ich hatte dann auch das hoechste Bett abbekommen und verkruemelte mich nach oben. Das erfordet dann doch etwas Klettergeschick und ich war froh eine kleine Absperrung davor gehabt zu haben. Es waren auch wieder kleine Kinder mit, ach ja das macht jedesmal Spass, wenn sie dich mit ihren grossen, braunen Augen anstrahlen. Der eine kleine mochte mich auch ganz gern, zumindest krabbelte er immer zu mir und gluckste froehlich vor sich hin. Windeln gibt es hier uebrigens nicht, dafuer haben die Kinder einen riesigen Schnitt in den Hosen. Wer also mal muss, wird kurzerhand unter den Arm geklemmt und zum naechstgelegenen Platz gebracht. Im Zug war es dann doch die Toilette, ausserhalb kann es auch mal der Strassenrand sein 🙂 Ein Maedchen versuchte auch, sich Englisch mit mir zu unterhalten. Das artete dann in einen Mix aus englischen Satzbrocken und Zeichensprache aus. Aber irgendwie funktioniert es. Naja, so verging die Zugfahrt eigentlich ganz ruhig, sieht man mal von dem schnarchenden Mann im Bett neben mir ab oder der schreienden Grossmutter, wenn das Enkelchen wieder einmal Faxen und Unfug machte 😉 Da merkt man dann uebrigens, dass Chinesisch doch eine sehr harte Sprache ist und mit der Zeit auch etwas nervt, da die Chinesen die Angewohnheit haben sich ueberall anzubruellen und das als normale Lautstaerke verstehen. Besonders lustig wird es, wenn man sie beim Telefonieren beobachtet. Solange sie zuhoeren, sieht es ja noch normal aus, sobald sie aber selbst sprechen, wird der Telefonhoerer vom Ohr weggenommen und das Handy direkt vors Gesicht gehalten, wobei in ohrenbetaeubender Lautstaerke ins Mikrofon gegroelt wird um es dann schnell wieder zum Ohr zu bringen, um auch ja nichts von dem Bruellen des Anderen zu verpassen *freu* Es macht wirklich Spass kleine, zwischenmenschliche Situationen oder Verhaltensweisen zu beobachten. Das kann man auch den lieben langen Tag betreiben.
Ich konnte das ja immer nicht so ganz begreifen, wenn man davon spricht, dass Chinesen durch viele Alltagssituationen ihr Gesicht verlieren koennen. Beispiel -> Wenn man nach dem Weg fragt, wird man von einem Chinesen immer eine Antwort erhalten, ob diese jetzt richtig oder falsch ist, sollte man ueberpruefen, indem man einfach mehrere fragt. Denn in so einer Situation wuerden sie ihr Gesicht verlieren, wenn sie dir nicht helfen koennen. Genau das ist mir dann aber passiert. In Guangzhou gibt es 2 Bahnhoefe, doch nur von einem kann man direkt nach Hongkong fahren. So fragte ich die Chinesin in meinem Abteil auf welchem Bahnhof wir denn ankaemen. Wahrscheinlich erriet sie aus meiner Fragestellung, dass ich mir doch den Bahnhof wuensche, wovon ich direkt weiterfahren kann und gab mir dann auch meine gewuenschte Auskunft… So stellte ich mich also eine gute dreiviertel Stunde vor dem Ticketschalter an, mit geschaetzten 24 kg auf dem Ruecken, um dann mitgeteilt zu bekommen, dass wir uns doch auf dem anderen Bahnhof befinden. Naja, so fuhr ich dann nach Shenzhen weiter und begab mich zu Fuss ueber die Grenze. Bekanntlich fuehren ja viele Wege nach Rom, in dem Falle Hongkong. Doch selbst hier hing mir noch mein Tibetbesuch nach. Die chinesische Beamtin drehte meinen Pass von vorn nach hinten und wieder zurueck. Nachdem ich sie dann zum 2. Mal hoeflich fragte (denn Hoeflichkeit ist hier wirklich angebracht, wie ich auf meinem Rueckweg feststellen sollte), ob ich ihr irgendwie behilflich sein koenne, fragte sie mich nach meinem Einreisestempel. Diesen hatte ich auch in meinem Pass, aber halt ohne den Visaaufkleber, denn ich bekam ja bei unserer Tour nur diesen Papierwisch in die Hand gedrueckt. Den gab ich ihr dann und nach einem langen Aufstoehnen von ihr, stempelte sie ihn ab und scheuchte mich durch. Das war ein Fehler, denn nun hatte ich keinen Ausreisestempel und mein Blatt war auch futsch. Natuerlich schaute der Grenzbeamte zu Hongkong auch etwas irritiert, aber das Wort „“Tibet““ reicht aus, um wahrscheinlich alles zu erklaeren. Langsam fehlen mir echt die Worte. Wenn sie diesen Landstrich schon annektieren, den Einwohnern sogar verbieten, tibetische Flaggen aufzuhaengen, vor den Potala Palace eine schoene, rote chinesische Flagge haengt, sogar extra auf einem Podest errichtet und genau gegenueber ein typischer Bauklotz in chinesischem Baustil hingepflanzt wird, dann sollen sie sich doch bitte auch nicht so anstellen und ihre Buerokratie im vollen Masse wallten lassen, wenn man ueber dieses Land einreist. (So sei jedem geraten, wenn ihr nach Tibet wollt, reist lieber ueber China ein als ueber Nepal und alles ist nur noch halb so schlimm – das heisst aber nicht, dass es dann einfach ist.) Naja, auf alle Faelle schaffte ich es doch und sass dann in der Bahn zum Stadtzentrum. Wow. Hongkong ist modern, sehr sauber, sehr organisiert, einfach grossartig. Und das schoenste, die meisten sprechen Englisch und so konnte ich meine erworbenen Kenntnisse im Bereich der Pantomime erstmalig stecken lassen. Durch die laengere Zeit in China verfaellt man auch automatisch, wenn man einen Laden oder Restaurant betritt, in die „“Babysprache““, denn man wirft immer nur mit einzelnen Worten um sich – was man halt gerade sucht. Ein Satz waere einfach zu verwirrend. Also musste ich auch wieder umdenken, mich ordentlich zu artikulieren 😉 Das Bahnsystem ist wirklich sehr ausgekluegelt und so erreichte ich die Endstation, bei der es dann 7 oder 8 verschiedene Ausgaenge gibt, alle gut beschriftet. Auf den jeweiligen Schildern zu den Ausgaengen findet man dann Strassen- und Hotelnamen, an denen man sich sehr gut orientieren kann. Wer wenig Geld zur Verfuegung hat, faehrt wohl immer nach Tsim Sha Tsui. Hier befinden sich dann mehrere „“Mansions““ – riesige Wohnbloecke, wobei sich auf jeder Etage Gaestehaeuser befinden. Ich landete dann irgendwie in einer Wohnung und bezahlte einen fuer Hongkong-Verhaeltnisse recht niedrigen Preis fuer ein Einzelzimmer von 10 Euro (100 HK$). Naja, das ueberzeugte mich dann, dass ich diese Stadt relativ schnell wieder verlassen werde, auch wenn ich gern noch laenger geblieben waere. Mein Zimmer war auch sehr putzig – es bestand aus einem riesengrossen Bett und auf der linken Seite war eine Kabine – 1 x 1 Meter. In dieser befand sich dann die Toilette und irgendwie auch noch ein Miniwaschbecken und eine Dusche. Hey, aber das Wasser war wenigstens warm und man schaffte es auch irgendwie zu stehen, ohne gleich in die Toilette zu plumpsen 😉 Ein paar Haustierchen hatte ich auch, aber die zeigten sich nur an einem Tag – Ach ja, Kuechenschaben sind schon was schoenes. Aber ansonsten war es doch recht sauber – wenn man das Haus gesehen hat, glaubte man gar nicht, dass auch ordentliche Wohnungen hier existieren. Den ersten Abend liess ich mich dann einfach nur durch die Strassen treiben und bewunderte diese verdammt gut-aussehenden Leute auf der Strasse. Ich glaube, sie haben den guten Geschmack in die Wiege gelegt bekommen. Sehr stylisch und wunderschoen anzusehen. Auch hier sind die Strassen mit riesigen Baeumen eingerahmt, so dass man doch ungefaehr erahnen kann, in welcher Klimazone wir uns befinden. Dazu die vielen Lichter. Einfach nur wunderschoen. Ein Gefuehl des Gluecks und der Lebendigkeit.

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