99./100. Tag – Guangzhou

Haette mich vorher jemand gefragt, welche Plaetze ich in China besuchen moechte, waere Guangzhou bestimmt nicht auf der Liste aufgetaucht. Mit keiner Silbe habe ich daran gedacht, diese Stadt zu besuchen. Nur der Bahnhof sollte mir offenbahrt werden. Da Simon aber ueberlegte dort waehrend der Weihnachtsfeiertage hinzufahren, schloss ich mich kurzerhand an. Ich hatte ja eh nichts besseres vor 😉 Und diese Stadt war es wirklich wert – modernes China kombiniert mit noch typischem Leben auf kleinen Maerkten und in kleinen, verwinkelten Gassen.
So stiefelten wir am 1. Weihnachtsfeiertag bei herrlich warmen Wetter und Sonnenschein zum Busbahnhof. Ich konnte es gar nicht glauben, dass es bei euch doch erheblich kuehler sein sollte und wahrscheinlich jeder vor einer riesigen Gans oder aehnlichem sass, um sich den Bauch vollzuschlagen. Jaja, die Weihnachtspfunde 😉 Zumindest kam ich mir doch etwas albern vor – Simon mit einer kleinen Tasche und ich mit meinem Riesenrucksack und der dicken Winterjacke, die gar keinen Platz mehr im Rucksack findet und zu viel zu warm zum Tragen ist… Wir bekamen dann auch recht unkompliziert einen Bus und erreichten unser Hotel direkt am Fluss. Ja, 2 Tage sind ja nicht so viel fuer eine Stadt und so starteten wir gleich los, nachdem wir wirklich leckeres chinesisches Essen in einem Strassenrestaurant verspeist hatten. Ok, es war nichts Besonderes, aber sehr schmack- und naehrhaft 🙂 Auf dem Weg passierten wir einen kleinen Markt und der Hang der Chinesen zu Kitsch war nicht zu uebersehen. Kleine Spangen und Anhaenger mit „“Snoopy““, „“Hello Kitty““ und anderen Mangafiguerchen, Glitzersteine hier, Kunstblumen dort und von allem mehr als genug. Aber es machte Spass dieses ganze bunte Gewuehl zu bestaunen. Dann besuchten wir einen Park, was irgendwie immer ein Erlebnis ist. So konnte man wieder Brettspielende Maenner beobachen, was wir auch ausgiebig taten – wie sie diskutierten, knobelten, stritten und sich anschliessend freuten wie kleine Kinder. Aeltere Damen spielten Badminghton und kickten dieses kleine, gefederte Ding mit Perfektion und es wurde wieder die Treppen hoch und runtergejoggt, wobei ich daneben schnaufte wie ein kleines Walross. Oje, Sport und Kondition laesst gruessen. Der Park war sehr schoen und auch relativ gross mit einem See in der Mitte, so dass man fast vergessen konnte, wo man sich befand, denn gluecklicherweise vernahm man kein Hupen, Bremsengequietsche und Motorgeraeusche. Der Park war sogar so gross, dass es kein Problem war sich zu verlaufen. Aber es lag nicht an unserem schlechten Orientierungssinn (der ist naemlich gar nicht so schlecht ;)), sondern eher an der schlechten geradezu verwirrenden Beschilderung in dem Park. Suchte man ein „“Highlight““ und folgte den Schildern, dann stand man irgendwann vor einem neuen Wegweiser, auf dem das Gesuchte gar nicht mehr vorkam und dafuer wieder andere tolle Sachen aufgelistet waren. So lief man also durch den Park, passierte wahrscheinlich alles Sehenswerte ohne wahrzunehmen, dass man gerade mitten im gesuchten „“Blumengarten““ stand. Als es dann langsam dunkel wurde und man sich ja am Ende nicht wirklich verfransen wollte, suchten wir den Bahnhof auf, damit ich mein Zugticket weiter Richtung Sueden kaufen konnte. Es klappte auch alles ganz unproblematisch, ich kannte ja den Bahnhof auch schon von meinem Weg nach Hongkong 🙂 Dann setzten wir uns in die U-Bahn (die Chinesen verstehen es uebrigens glaenzend ihre Eingaenge zu denjenigen so gut zu tarnen, dass man sich totsuchen koennte, waeren nicht ein paar hilfsbereite Geschoepfe auf der Strasse, die sich dazu noch freuen uns auf Englisch helfen zu koennen – sehr schoen und oftmals auch sehr lustig :)) Dann suchten wir einen im Reisefuehrer gelobten Markt – und wir fanden ihn. Naja, es war schon ein aussergewoehnliches Schauspiel, auch wenn ich vor Mitleid wieder einmal zerfloss. Da stapelten sich kistenweise Schildkroeten, Froesche, Fische, Schlangen, Skorpione und allerlei anderer Gekriech. Wir konnten beobachten wie die Froesche in Netzen aus Lkw’s geladen und auf die Strasse geknallt wurden – naja, man hoert dabei ja nicht soviel, ausser ein dumpfes Plumpf und beobachten konnte man ein wildes Gezappel und Gehuepfe. Brrrhhhh. Auch die Schlangen, Aale und anderes gruseliges Undefinierbares war einen Blick wert. Mich ueberraschte nur die Masse, gerade bei den Schildkroeten, denn ich hatte so etwas bis jetzt noch nie auf der Speisekarte eines Restaurants gesehen. Es war schon ein sehr skuriller Anblick so mitten in der Nacht, denn die kleinen Gassen hier sind ja nicht wirklich erleuchtet. Ein kroenender Abschluss war dann der Rueckweg am Fluss. Alle Baeume waren bestrahlt und es spiegelte sich alles im Wasser. Es kam zwar nicht an Hongkong heran, aber es war auch nicht zu verachten 😉 dann assen wir noch etwas an einem der kleinen Grills und mir machte es wieder ungemein Spass die Leute um mich herum zu beobachten. Kann man das nicht zu seinem Beruf machen?
Am naechsten Morgen packten wir dann schon so weit unsere Sachen und machten uns auf den Weg zu einer kleinen Halbinsel, die noch ganz dem Charme der britischen Architektur vergangener Zeiten verfallen ist. Es war eine tolle Atmosphaere durch die Strassen zu laufen zwischen den alten Haeusern und Baeumen. Danach besuchten wir das Ahnenhaus einer beruehmten Familie – Dang, Dong, Hung – was auch immer. Jedoch war der Bau wirklich beeindruckend – eine grossflaechige Anlage mit wunderschoenen, alten Schnitzereien an den Giebeln und Daechern. In dem Haupthaus befand sich auch eine Galerie, in der man einem Kuenstler ueber die Schulter schauen konnte – Wahnsinn. Er tunkte die Unterkante seiner Hand in schwarze Farbe und zauberte mit Tupfen und Wischen eine Landschaft, die Yangshuo sehr aehnelte, auf Papier. So etwas habe ich zum ersten Mal gesehen und war wirklich begeistert – Huegel, Baeume und der Vogel wurde mit dem Fingernagel geschaffen. Ja, hier konnte man es aushalten, einfach nur dasitzen und den Anblick toller Kunstgebilde auf sich wirken lassen. Danach noch schnell zu einem buddhistischen Tempel, doch ich muss wirklich sagen, wenn man 1 x in Tibet war, ist alles andere ein billiger Abklatsch und meist so neu und glaenzend, dass es eher unpassend und nicht wirklich authentisch wirkt. So sieht es aus wie aus dem Ei gepellt, aber diese Stimmung vermag es nicht rueber zu bringen. Es fehlen die Glaeubigen in ihren traditionellen Kleidern, die dunklen Gebetshallen und der Geruch der Yak-Butter-Lichter. Und vielleicht auch die eisigen Temperaturen, in denen man sich drinnen ein wenig Waerme erhofft. Trotz allem eine sehr schoene Anlage und ein schoener Abschied einer noch recht originellen Stadt in dem schnell-wachsenden China. Im Hotel hiess es dann nur noch schnell Sachen zusammenraufen, Verabschiedung von Simon, dem ich an dieser Stelle noch einmal fuer die tolle Gastfreundlichkeit und einer Menge Spass danken will und dann ging es schon Richtung Bahnhof und somit auf den direkten Weg in ein neues Land.

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