Chiang Mai

Im Norden angekommen, verliebte ich mich gleich zu Beginn in Chiang Mai. Ich fuehlte mich sofort pudelwohl, wir fanden ein sehr schoenes Guesthouse und auch bei der Stadtbesichtigung landeten wir in kleinen Strassen mit Staenden voller leckerer Fruchtsaefte, kleinen gemuetlichen Bars, Tempelanlagen unauffaellig im Stadtbild integriert und doch wie eine kleine Oase, wenn man sie betritt – einfach ein Ort zum Wohlfuehlen und endlich der Ort zum Ankommen, zum einmal tief durchatmen. Wir entschieden uns dann auch gleich fuer eine Massage und im Anschluss fuer ein kleines Restaurant mit voll der netten Bedienung und etwas ausgefalleneren Versionen von Standardgerichten. Wie es der Zufall wollte, war auch Andy ein Bekannter aus Leipzig gerade in Chiang Mai. Wir machten uns also auf den Weg fuer ein gemeinsames Treffen und dank Kristins „“tragbarem Internet““ konnten wir das Hotel lokalisieren.

Die Schwierigkeit zeigte sich dann aber darin, dass um die Altstadt herum ein Graben gezogen ist im schoensten symmetrischen Quadrat – ab und zu begrenzt von Resten der alten Stadtmauer. Wir stiefelten also los mit der Gewissheit – „“ist ja gleich ums Eck““. Ohne Fragen ging es dann aber nicht und zu unserem Entsetzen stellten wir fest, dass wir komplett die Orientierung verloren hatten. Es war nicht wirklich weit weg, aber nun doch in der komplett entgegengesetzten Richtung – ja, Karten muesste man lesen koennen. Schlussendlich fanden wir uns. Zusammen, mit zwei weiteren Jungs, zogen wir noch ein wenig durch die Strassen und landeten schlussendlich in einem Club. Den zu beschreiben – da fehlen mir etwas die Worte. Er erinnerte mich sofort an einen Club, den ich einmal in China besucht hatte und bei dem ich danach wusste, dass ich definitiv nie wieder zurueck gehen werde – knalliges Neonlicht, Klimaanlage auf minus 15 Grad, Thaimaedels mit Minirock – ohne geht nicht – Thaijungs nicht aelter als 16 (gefuehlt), denn eigentlich gibt es eine Altersbegrenzung von 18. Wollte man sich unterhalten, musste man sich anschreien, ABER auch das muss man sich mal angeschaut haben. Der Laden war sehr gut besucht und somit gehoert es scheinbar zur thailaendischen Jugendkultur – also aussitzen. Trotz allem war es aber ganz nett, nur hielten wir es nicht allzu lange aus. Aber der Tag war schoen genug und Schlaf ist noch viel besser.

Kristins Magen meinte es mit ihr leider immer noch nicht so gut, aber langsam zeigte sich Besserung. Zumindest konnte sie am naechsten Tag an ihrem Kochkurs teilnehmen (wovon ich am Abend nur profitieren konnte). Ich entschied mich fuer eine Tour in den Norden zu einem Elefantencamp.
Auch hier spielten wieder alle gemischten Gefuehle den Tourismus betreffend zusammmen. Ich genoss den Tag und es ist keine negative Erfahrung gewesen (ganz im Gegenteil), trotzdem zeigte der Massentourismus sein Gesicht in voller Pracht. Gluecklicherweise war unsere Gruppe relativ klein, so dass es nicht schon an diesem Punkt ausartete, aber ansonsten schwammen wir im Strom vieler. Wir erreichten das Camp und klapperten dann unsere Stationen nach und nach ab (wie gesagt, perfektioniert, so dass man zumindest kurzzeitig denkt, es sind nicht ganz so viele).

Zu Beginn mit dem Ochsenkarren ein Stueck die Strasse rauf und wieder zurueck. Kurz vor Ende wurden wir dann sehr direkt darauf aufmerksam gemacht, dass Trinkgeld erwartet wird. Dann ging es gleich weiter zum Elefantenritt – rauf und ab in den Dschungel, zumindest ein Stueck. Wir schaukelten also in Kolonne ein Stueck Richtung gruener Idylle, bogen aber kurz vorher wieder ab und durch den Fluss ging es zurueck. Es folgte der Programmpunkt Elefantenbaden – Babyelefanten rannten zum Fluss hinunter spritzten hierentlang, spritzten mit Wasser da entlang, die Touristinnen kreischten. Wieder zurueck gab es eine Elefantenshow der Babyelefanten – einer malt, der andere vollfuehrt einen Handstand, sie spielen Fussball, zeigen wie sie liegen und wie sie sitzen. Den Abschluss bildet das kleine Bergdorf, wo die longneck-Frauen sitzen und weben, um an unzaehligen Staenden, die einen kleinen Platz in der Mitte des Dorfes umgeben, ihre Sachen zu verkaufen. Seit fruehester Kindheit wird der Hals immer weiter durch das Aufsetzen von einer Ringspirale geweitet – als Attraktion kamen sie frueher in den Koenigspalast – aber in den burmesischen, denn urspruenglich kommen sie aus dem Nachbarstaat. Den Abschluss bildete dann eine Flossfahrt und der Besuch einer Schmetterlings- und Orchideenfarm.

Ein klein wenig ironisch aufgezaehlt, war es aber wie gesagt trotz dem sehr geplanten Stationsabarbeiten eine schoene Erfahrung. Mit der Fahrt auf dem Ochsenkarren erlebten wir ein sehr typisch traditionelles Fortbewegungsmittel live. Auch der Elefantenritt als solcher war nicht so schlimm, wie ich befuerchtet hatte, denn die Landschaft war sehr schoen, der kleine Babyelefant der mit der Mutter mitlief ganz allerliebst und auch der Ritt durch den Fluss im warmen Nachmittagssonnenlicht sehr schoen. Der Elefantenshow stand ich am skeptischsten gegenueber, da es doch sehr an Zirkuseinlagen erinnerte, aber wieder die positive Komponente – es ist unglaublich zu sehen, wozu Elefanten mit ihren plump wirkenden Koerpern in der Lage sind. Am meisten faszinierte mich, wie einer der Kleinen ein Bild malte ohne eine Ruesselfuehrung, sondern ganz allein – schon beeindruckend. Als die Elefanten dann aber zu einem gerade sehr hippen Trash-Song zu „“tanzen““ begannen, war der Bogen dann doch ueberspannt.

Schlussendlich bin ich auch sehr froh die long-neck Frauen gesehen zu haben, denn es ist wirklich ein sehr einmaliger Anblick, aber die Vermarktung war ganz furchtbar zu sehen, wie die Touristen herum laufen, Fotos schiessen und dann das Dorf wieder verlassen – fast noch schlimmer als ein Zoobesuch. Vor lauter Schuld- oder vielleicht auch Schamgefuehl blieb ich schon nach dem zweiten Stand stehen und kam nicht mehr weiter, kaufte bei den beiden aus lauter Mitleid Souvenirs und fuehlte mich schlecht. Sie wirken so fern in dieser Kulisse. Ganz, ganz schuechtern sitzen sie in ihrem traditionellen Outfit da als Fotoobjekt, die Wangen mit der typisch burmesischen Sonnencreme harren sie der Dinge, die sie um sie herum passieren immer mit einem hoeflichen Laecheln im Gesicht, aber so zerbrechlich.

Die schoenste Erfahrung war, dass ich ein aelteres Ehepaar kennenlernte, die Teil unserer sechs-koepfigen Gruppe waren. Tuire aus Finnland und Zak aus Pakistan trafen sich in Frankfurt am Main beim Studium und wanderten dann zusammen nach Kanada aus. Hier war wieder eine Lebensgeschichte zweier Menschen zu hoeren, die so interessant ist, dass man immer mehr wissen moechte. Wir hatten zusammen eine sehr schoene Zeit und allein dafuer hat es sich schon gelohnt. Zak verwunderte ich wohl am meisten, als ich ihm unseren Zimmerpreis nannte und er meinte, dass er so viel fuer ein Bier in seinem Hotel bezahlt. 😉

Abends trafen wir uns noch einmal mit Andy, holten uns eine Flasche Wein und Kekse im Supermarkt, fanden ein Stueck Mauerrest vor einer Jazzbar und verbrachten einen sehr entspannten Abend mit guter Livemusik in einer gefuehlt warmen Sommernacht. Was will man mehr?

Den naechsten Tag machten wir mal nichts. Wir goennten uns den Luxus eines Gammeltages. Das ging, da wir uns gegen die guenstige Variante entschieden hatten, die Genze zu Laos zu ueberqueren, naemlich schon nachmittags zum Grenzort zu fahren, die Nacht dort zu bleiben und frueh morgens ueber die Grenze zu gehen. Dafuer war Chiang Mai zu schoen und die ruhigen Tage zu wenige. Wir hatten also fuer den letzten Tag geplant frueh morgens ein Taxi zu nehmen. Da ich am naechsten Tag noch einen Ausflug machen wollte, klappte es so auch mit einem Nachmittag am Pool – schwimmen, essen, lesen, schwimmen, essen, lesen – immer schoen ruhig abwechselnd 🙂 Traumhaft. Aber so ganz untaetig ist natuerlich auch nichts. Also entschieden wir uns abends zum Nachtmarkt zu gehen. Kristin und vielmehr ich verfielen einem regelrechten Shoppingrausch. Staende reihten sich an Staende mit den tollsten Klamotten, Taschen, Schmuck, Lampen und, und, und. Ich konnte die Tueten am Ende fast nicht mehr tragen, so viele waren es. Aber – Es hat sich gelohnt. Doch nun war die grosse Frage: Wie alles tragen?

Kristin hatte leider am naechsten Morgen wieder einen kleinen Rueckfall und auch nicht so wirklich Lust auf meinen letzten Tagesplan in Chiang Mai. Ich hatte mir eines von den roten Sammeltaxis gemietet (was erstaunlich guenstig war), um zu zwei Doerfern in der Naehe zu fahren und mir verschiedene Handarbeitsfabriken anzuschauen, da ich so eine Art Tour damals in Vietnam sehr interessant fand. Ich haette wissen muessen, dass es am Ende eher als eine Verkaufstour angelegt war, denn jede von den „“Fabriken““ hat sogenannte Showraeume, wo dann unzaehlige Waren praesentiert werden. Nichts zu kaufen ist somit nicht wirklich erwuenscht und da ich allein war, konnte ich mich natuerlich auch nicht hinter jemandem verstecken, der vielleicht etwas fuer Zuhause mitnimmt, zumal die Preise fuer alles schon sehr hoch waren.

Der erste Stop war eine riesige Halle voller Lederartikel, an einer Fabrik mangelte es gaenzlich. Am Eingang standen drei alte Naehmaschinen und das einzige Handwerk, das ich noetig gebraucht haette, da meine Guerteltasche schon fast in Einzelteilen am letzten Faden hing, war der schlimmste Stop auf dem Weg. Als ich fragte, wurde ich nur mit vollgestoptem Mund angeschaut, da beide grad am essen waren und der Kopf geschuettelt. (Im Uebrigen habe ich es dann in Laos ganz unproblematisch bei einem Waeschereiservice fuer 5 Euro fixieren lassen). Da konnte ich nur verstaendnislos den Kopf schuetteln. Ich machte meinem Fahrer dann noch einmal eindruecklich klar, dass ich die Herstellung sehen moechte und nicht primaer etwas kaufen und sicher auch nicht alle 20 Shops auf dem Weg besuchen moechte und mich jedes Mal schlecht fuehle, da ich nichts kaufe.

Der zweite Shop war dann ein Silberschmiede, danach eine Seidenspinnerei und im Anschluss einen Shop, wo man Skulpturen aus verschiedenen Steinen wie Jade oder Marmor kaufen konnte. Die Fabriken waren weiterhin nur kleine Miniraeume, die eher zu Vorfuehrzwecken da waren – schnell durch und dann bitte was kaufen. Aber interessant war der Stop danach – bei einer Holzverarbeitung. Hier sassen mehrere Arbeiter und schnitzten aus Rohholz Wandbilder oder Baenke mit unglaublich tollen Landschaften. Das war sehr, sehr faszinierend zu sehen. Auch der letzte Stop – die Herstellung von Papierschirmen, war sehr interessant, da jeder Schritt vom Zusammensetzen des Geruestes, uebers Bekleben mit Papierbahnen und im Anschluss das Bemalen sehr gut praesentiert war und man hatte zumindest das Gefuehl, dass hier wirklich auch etwas fuer den Shop hergestellt wird.

Alles in allem schon interessant, aber natuerlich auch unglaublich kommerziell, denn normalerweise reisen hier ganze Reisebusse an und schieben sich dann durch die kleine Show, um dann bitte zahlreich zu kaufen – also eigentlich so gar nicht meins. Aber gut, auch wieder eine Erfahrung. Schlussendlich ist wohl festzuhalten, dass man in Thailand also nicht einmal ohne eine gefuehrte Tour irgendetwas Authentisches erleben kann, in gefuehrten Touren schon gar nicht.

Aber gleich im Anschluss wurde ich doch ein wenig, eines Besserem belehrt. Wir besuchten ein Kloster – sowas habe ich noch nie gesehen und mir weder vorzustellen gewagt – es war einfach ein verrueckter Ort, wo alles anders zu sein schien, als normal und da gab es auch nur ganz wenige Touristen. Als wir das Tor passierten war erstmal Wald zu sehen, fast jeder Baum beinhaltete ein Schild, vermutlich mit Lebensweisheiten (zumindest ging dies aus einem englischen hervor). Ueber kleine Wege kam man dann zu den Unterkuenften der Moenche, die irgendwie im Wald verschwanden und ich fuehlte mich so unglaublich an meine Kindheit erinnert, wo wir Buden bauten und spielten, dass wir dort leben. Haehne stolzierten durch Gebuesch, Hunde, die als solche kaum noch erkennbar waren, von Reude zerfressen. Neben der einen Huette stand ein Baum auf dem Plastikpapageien sassen und am Fusse Keramikschweine standen. Ein Stueck weiter standen unzaehlige Steinbuddhafiguren – als ich diese sah fiel mir nur ein Wort ein – ein Buddhafriedhof, denn keine einzige Figur war mehr wie sie sein sollte – entweder ohne Kopf oder ohne Koerper. Ging man ein Stueck weiter kam man zu einer Art Gebaeude mit dunklen gefuehlt unterirdischen Gaengen, wo immer wieder ein paar kleine Aussparungen waren, in denen eine Buddhafigur sass. Auf dieser Art Bunker prangte eine weitere Pagode. Folgte man dem Schilderwald weiter fuehrte diese dann an Wohnhaeusern vorbei (was machen die wiederum in einem Kloster?) zu einem kleinen See mit einer kleinen Insel, die ueber eine Bruecke erreichbar war. Auf dieser Insel konnte man allerdings kaum treten, da hier scheinbar „“Klein-Venedig““ war, wo man hinschaute Tauben, Tauben, Tauben und zwischendrin ein paar Haehne. Gefuehlt war das der skurrilste Ort, den ich je in meinem Leben gesehen habe. Gekroent wurde das dann alles noch mit einer riesigen schwarzen Buddhastatue, die ihn aber nicht wie gewohnt darstellte, sondern ihn am Ende seine Fastenzeit – fast nur noch als Gerippe – trotz der ganzen Verwunderung schon ein unvergessliches Erlebnis.

Und fuer das Problem das Transport der Shoppingarie des Vortages fand sich auch noch eine Loesung. Wir gingen zur Post und jetzt ist ein Paket nachhause unterwegs. Waehrend ich damals in Ecuador noch bei den benachbarten Shops nach Paketen fragen musste, gab es im Postoffice in Chiang Mai einen professionellen Packdienst. Selbst das groesste Standardpaket war zu klein fuer mein Zeug, also schnitt er kurzerhand ein riesiges Paket so zurecht, dass es passgenau um meine wertvollen Errungenschaften passte. Dann gerieten wir mitten in ein Gewitter auf dem Rueckweg zum Hostel – man hatte das Gefuehl, dass bereits Monsunzeit war so schuettete es von oben herab. Gluecklich nahmen wir Abschied von Chiang Mai, denn es war wirklich eine schoene Zeit hier.

Nun wartete Laos auf uns, aber da ich mit dem Schreiben gebummelt habe und jetzt eigentlich schon grad auf gepackten Koffern sitze, um zurueck zu fliegen, muss das leider warten und aus Deutschland werden die letzten Berichte nachgeholt, auch wenn das noch so viel schwieriger werden wird. Fuer alle Mitverfolger Danke an dieser Stelle. Liebe Gruesse, der Urlaub ist gerade real fuer mich vorbei, aber von den Berichten noch laengst nicht. Eure Jule

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