Yangon – Myanmars quirrlige Grossstadt, 2. Tag

Der zweite und somit schon letzte Tag in Yangon stand ganz im Zeichen des Sightseeings, bevor es mit dem Nachtbus Richtung Norden ging. Wir besuchten nach dem Fruehstueck zusammen mit Hendrik die groesste und beruehmteste Tempelanlage Myanmars, deren Zentrum die Shwedagon Pagode bildet, die sich golden 98 Meter in den Himmel reckt und fuer jeden glaeubigen Burmesen, einmal im Leben Pilgerziel ist. Die Ausmasse waren wirklich gigantisch und entwaffnend. Die Sonne erstrahlte die Anlage, doch nicht nur die Hauptpagode bezauberte – rund 82 kleinere Pagoden und Tempel umsaeumen sie und lassen die komplette Anlage als eine kleine Stadt fuer sich erscheinen. Neben den goldenen Pagoden fanden sich auch weisse umrahmt von holzgeschnitzten Tempeln, die goldene Buddhastaturen beherbergen. Ein unglaubliches Erlebnis – im Schatten zu sitzen und den vorbeiziehenden Buddhisten zuzuschauen – ganze Familien bevoelkern das Areal.

Eigentuemlichkeiten, wie sie jedes Land zu bieten hat (Lederhosen auf bayrischen Volksfesten oder Anzugtraeger in Frankfurts Strassen) bietet auch Myanmar. Neben dem schon erwaehnten Kautabak sind zwei weitere Merkmale kaum zu uebersehen – die Maenner tragen Wickelroecke – dabei ist es egal, ob in der Grossstadt oder auf dem Land und die Frauen tragen eine Art Sonnencreme, vielleicht wird es aber auch als Make-Up gesehen, bestehend aus einer dicken Schicht gelber Paste, die fast alle Gesichter auf Stirn und den Wangen ziert. Auch bei Maennern ist diese auffaellige Gesichtscreme des Oefteren zu betrachten. Diese Eigenheiten bilden doch eine auffaellige Unterscheidung zu den asiatischen Nachbarn, waehrend sie sich im Lebensstil und der Art der Staedte wieder sehr gleichen.

Zumindest musste sich beim Besuch der Pagoda auch Hendrik solch einen Rock ueberwerfen, da er mit seinen halblangen Hosen nicht standesgemaess gekleidet war. Waehrend in Thailand kurze Hosen oder Roecke bereits bei jedem Touristen und jungen Thai akzeptiert und „“normal““ sind, erschreckte mich nach einer Weile in Myanmar jedes nackte Bein einer Touristin, denn es war so unueblich, dass es sofort auffiel, wenn jemand aus der Norm heraussprang. Wir verbrachten fast drei Stunden in der Anlage, bevor wir zu unserer letzten Station aufbrachen – dem grossen Markt von Yangon, untergebracht in einer riesigen Halle, in der sich enge Gassen lanciert von kleinen Shops schlaengeln – Schmuck in Huelle und Fuelle, Stoffe, Kleider, Handwerkskunst, Gemaelde und, und, und… Hendrik hatte sich schon laengst von uns verabschiedet, nachdem wir bereits im ersten Laden hielten, der unzaehlige, verschiedene Knoepfe beherbergte. Wir schlenderten durch die Gassen und ich trank den besten Erdbeershake meines Lebens, ungeachtet der grossen Eisstuecke – frei nach dem Motto: Mut zur Luecke. Nach zwei Stunden waren wir um ein paar Kyat aermer und voller neuer bunter Erlebnisse und Eindruecke reicher.

Wir erreichten zufrieden unser Hostel, welches uns wirklich schon ans Herz gewachsen war, dank der freundlichen Angestellten und dem tollen Besitzer, der uns im fliessenden Englisch (er hatte lange in L.A. gelebt) viele wertvolle Tipps fuer unsere Reise und interessante Hintergruende zum Land offenbahrte, so sprach er auch ueber die bevorstehenden Wahlen 2015, die das Land wieder in tiefe Unruhen stuerzen koennte, wenn sich die Militaerregierung weiter an der politischen Macht festkrallt.

Mit Hendrik waren wir fuer die Abfahrt zum Busbahnhof verabredet, doch wer nicht kam, war Hendrik – schon laengst ueber der vereinbahrten Zeit standen wir auf der Strasse, um ein Taxi anzuhalten und allein zu fahren, als aufgeregt jemand aus dem Hotel kam, unser Freund wuerde kommen, wartet. Wie verplant Mann sein kann, stellte Hendrik mit der Schilderung seiner letzten 5 Stunden unter Beweis, denn in diesen 5 Stunden hatte er versucht, das Hotel zu finden. Unfassbar. Er verabschiedete sich vom Markt von uns ohne Stadtplan, ohne Karte vom Hotel und mit Nullplan und Orientierungssinn. Die letzten Tage ist er ja auch meist nur hinterhergetrabt. Verschwunden im Dschungel Yangons, nun bester Freund mit zahlreichen Taxifahrern und mehr Glueck als Verstand, bummelte er um die Ecke, wir konnten nur den Kopf schuetteln.

In halsbrecherischer Fahr jonglierte uns der Taxifahrer zum Busbahnhof, der sich selbst als kleine Stadt praesentierte, mit Haeuserreihen, Staenden und unzaehligen Reihen von Bussen, die Leute in Myanmar scheinen einen reisefreudiges Voelklein zu sein. Wir verbarrikadierten uns hinter dicken Schals und Fleecejacken, denn ueber die Nachtfahrten und die damit einsetzende Eiszeit durch auf Maximum eingeschaltete Klimaanlagen hatten wir Schlimmes gehoert und es bewahrheitete sich auf den Punkt. Wir froren, schliefen nicht und erreichten im nicht vorhandenem Timing frueh um 4 Uhr morgens das noch schlafende Bagan – die Stadt der 1000 Pagoden und Tempel.

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