Mandalay – die Stadt der Moenche, 1. Tag

Frueh morgens ging es durch die einsamen, dunklen Strassen Bagans zum Irawadi-Fluss, der sich direkt entlang der kleinen Stadt windet. Wir hatten uns fuer eine Bootsfahrt entschieden, um nach Mandalay zu kommen, welche den ganzen Tag andauerte. Relativ unspektakulaer schipperten wir den Irawadi hinauf – erstaunliches zu berichten, gibt es von den kleinen Fischerdoerfern, welche sich am Flussrand erstrecken – teilweise nur kleine Bambushuetten, die scheinbar mit den weissen Sandbaenken verschmilzen – die sengende Sonne und ihr Flirren erhoehen den Eindruck, dass die Huetten den Uferbaenken verschmilzen. Sich vorzustellen dort zu leben, faellt mir unglaublich schwer, denn die Sonne brennt erbarmungslos hinunter und Schattenplaetze sind nicht auszumachen. Auch beobachten konnten wir, wie auf traditionelle Weise unzaehlige Teakholzstaemme (die in Myanmar schon in der Vergangenheit eine grosse Rolle spielten) zu einer Art Floss vertaut waren und ihren Weg den Fluss stromabaerts suchten.

In den Abendstunden nach einem wunderschoenen Sonnenuntergang erreichten wir Mandalay. Die unzaehligen Stupas, welche die Bergspitzen in Sagaing kroenen, eine der ehemaligen Koenigsstaedte in der Naehe Mandalays, liessen die naechtliche Stimmung vom Boot aus atemberaubend erscheinen, da sie die bergige Landschaft in eine Lichterkette verwandelten. Nachdem wir im Hotel eingecheckt hatten, erkundeten wir gleich noch ein wenig die Stadt und landeten in einem kleinen, nepalesischen Restaurant. Mit bunt zusammengewuerfelten Plastikstuehlen und einfacher Einrichtung schmeckte das bestellte Dal Bhat ganz wunderbar. Nachdem wir den farbenpraechtigen Hindutempel hinter uns gelassen haben, landeten wir an der naechsten Ecke im muslimischen Viertel. An kleinen Essensstaenden sassen die Maenner mit Gebetskappen und langen, teilweise mit Henna rot gefaerbten, Baerten. Langsam liefen wir die naechtlichen Strassen zurueck und sogen die Eindruecke der neuen Stadt in uns auf.

Am naechsten Tag fuhren wir frueh los, um die ehemaligen Koenigsstaedte zu besuchen, die im Laufe der Geschichte dann und wann als Hauptstaedte fungierten. Als erstes ging es nach Amarapura. Wir hatten ganz luxurioes ein Privatauto. Direkt bei der Ankunft trafen wir Carla und Jan, die Kristin schon im Flieger kennengelernt hatte (man erinnert sich, wir sassen ja nicht zusammen ;)) und die mit local busses unterwegs waren. Kurzerhand schlossen sie sich uns an und so vergroesserte sich unsere kleine Reisegruppe fuer diesen Tag. Im Morgenlicht wagten wir uns auf die U Bein Bruecke, die ueber 1,2 Kilometer ueber den Thaungthaman See fuehrt und aus 200 Jahre altem Teakholz ueber 1.060 Stelzen bildet. Ein unglaubliches Schauspiel – der See im Morgendunst, so dass man kaum das andere Ende ausmachen kann, kleine Fischerboote schlaengeln sich unter der Bruecke entlang. Moenche, Kinder, Alte mischen sich mit den Touristen und ein franzoesisches Kamerateam dreht eine Doku, ein unglaublich begnadeter Kuenstler schafft ein Bild mit wenigen Pinselstrichen und einem Stueck Pappe, ein Kind schaukelt in seiner aus Tuch gebundenen Haengematte, Schmuck, Obst und kleine Voegel sind kaeuflich zu erwerben und vereinzelt sieht man Bettler mit abgetrennten Gliedmassen oder so alt, dass keine Zaehne mehr den Mund zieren und nur ein freundliches Gesicht mit tiefen Runzeln um ein paar Kyat bittet. Die Bruecke lebt ihren eigenen Rhythmus und wir lassen uns treiben, immer gewahr, dass wir uns in ein paar Meter Hoehe befinden.

Der naechste Stopp auf der Tour war ein Kloster, wo die Moenche taeglich in grosser Zahl fruehstuecken. So richtig einordnen konnte ich diesen Besuch nicht. Natuerlich war es unglaublich faszinierend zu sehen, wie die Moenche nach und nach eintreffen mit ihren Schuesseln voller Gaben, die sie am Morgen zusammen gesammelt haben. Sie stehen der Groesse nach in zwei Reihen in ihren roten Kutten. Wunderschoen mit den kahlen Koepfen, welche die Gesichter so viel ausdrucksvoller erscheinen lassen. Geduldig warten sie, bis sie in den Speiseraum gelassen werden. Auf der anderen Seite unzaehlige Touristen, die mit ihren Kameras wie eine Wand den wartenden Moenchen gegenueberstehen. Und wieder einmal der innere Zwiespalt. Fuer das Bild was sich bietete empfinde ich Verachtung, doch selbst gehoert man dieser Gruppe an, macht Fotos und klammert sich an den Gedanken, dass man nicht ganz so schlimm ist wie andere, die ungeniert mit den Kameras zwischen den Moenchen entlang rennen, ihnen das Objektiv vors Gesicht druecken und teilweise sogar in den Speisesaal schleichen, obwohl gross ein Schild sagt, dass dies nicht erlaubt ist. Aber das deutsche Geschnattere der Reisegruppe neben uns zeigt dafuer wenig Verstaendnis. „“So eine Frechheit, jetzt koennen wir da gar nicht rein.““ Das erzeugt bei mir nur noch mehr Unverstaendnis – aber: auch wir sind Touristen und um das Bild nicht zu stoeren, die Absurditaet nicht noch mehr zu schueren, duerften auch wir hier nicht stehen… Oft bei der Reise stand ich an diesem Punkt und nie fand ich eine befriedigende Antwort auf diese Art Pattsituation.

Im Anschluss fuhren wir zu unserem naechsten Ziel – Sagaing. Ein wundervoller Ort. Die unzaehligen Bergspitzen, die den Ort umgeben zieren Stupas – ueber 600 befinden sich in dieser Region, ein Rueckzugsort der Moenche, denn Mandalay gilt als religioeses Zentrum und mehr als drei fuenftel der Moenche in Myanmar leben hier. Wir erklommen den steilen Aufstieg und es bot sich ein Rundumblick, der zwar leider durch einen diesigen Schleier getruebt wurde, doch trotz allem konnte man auf den umliegenden Huegeln unzaehlige der kleinen weissen und goldenen Stupaspitzen erkennen oder manchmal auch nur erahnen. In einer Biegung umschliesst der Irawadi die Huegelketten und vollendet damit das Bild. Anschliessend assen wir am Wasser in einem kleinen Restaurant, das komplett unter der Krone eines Baumgiganten verschwand. Wie immer (oder fast immer in den meisten asiatischen Laendern) fuellten die Maenner das Bild – sitzend, palavernd, Kautabak kauend und Whisky trinkend. Naja, das entzieht sich jeglichem Kommentars.

Der letzte Stopp war die kleine Halbinsel Innwa, auch als Ava bekannt. Wir setzten mit einem kleinen Boot ueber und mussten in diesem Falle leider eine Pferderikscha nehmen. Die Tiere sahen alles andere als gut aus und eigentlich war ich die ganze Fahrt mehr mit dem Wohl des Tieres beschaeftigt, als wirklich die Fahrt zu geniessen. Wir durchquerten kleine Doerfern mit Stelzhaeusern und klapperten die einzelnen Tempelanlagen ab, die sich vereinzelt zwischen Feldern oder am Wegesrand befanden. Die erste war fuer Kristin und mich die einzige, da wir das Touristenticket nicht gekauft hatten, aber von aussen betrachtet auch die schoenste. eine kleine Anzahl von Pagoden, gefertigt aus roten Backsteinen unter hohen Baeumen, die ihre schweren, orangenen Blueten ueber die Anlage streuten – unglaublich schoen. Und in der Mitte wieder eine wunderbar einfach, aber grosse Buddhastatue, die mit dem guetigen Laecheln die spielenden Kinder an seinen Fuessen betrachtet. Wie gesagt, danach waren wir nur noch Vorbeiziehende und wartete brav auf Carla und Jan, die immer wieder in Tempel verschwanden. Ganz zum Schluss fuhren wir noch einmal zum See zurueck und mieteten ein Boot. Der Anblick der Bruecke vom Wasser aus und im Licht der untergehenden Sonne war ein Schauspiel, dass ich auf keinen Fall missen moechte. Waehrend die Moenche mit den Umhaengen sich wie Silhouetten gegen den orange-roten Feuerball abzeichnen, kreuzten wir mit dem Boot die Stelzen der Bruecke und genossen jeden Augenblick in vollen Zuegen.

Den Tag kroente ein Besuch der stadt-bekannten Eisdiele direkt neben unserem Hotel – mit riesigen Eiskugeln, die jeder italienischen Eisdiele Konkurrenz machen.
Es blieb noch ein weiterer Tag in Mandalay und erschoepft nach den ganzen Eindruecken fiel ich muede ins Bett.

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