Lima – 42./43. Tag

So, lange ist es schon wieder her und viele Erlebnisse in Peru, sowie 2 Tage im schoenen Bolivien liegen hinter mir. Mein kleines rotes Buechlein platzt auseinander voller Seiten mit Notizen und Stichpunkten, damit ich auch ja nichts vergesse, zum Mitteilen und selbst in Erinnerung behalten.

Generell ist wohl zu sagen, dass Peru und damit Lima als erste Station keinen guten Start bei mir hatten. Zu nervoes mit den Erinnerungen an den Ueberfall hatte ich weder Lust, die Stadt fuer mich zu entdecken, noch grossartig raus zu gehen, obwohl Miraflores, der Bezirk in dem auch Steffi wohnt, eher an eine amerikanische Grossstadt erinnert und schon ein ziemlich sicheres Gefuehl gibt, doch alles was ausser den magischen Bezirksgrenzen liegt, weckte weder meinen Entdeckergeist noch sonstiges. Im Rueckblick kann ich aber gar nicht sagen, dass das von Anfang an so war, ich bin glaub ich sogar voller Elan und Tatendrang angekommen, als ich dann jedoch am ersten Tag hoerte, dass die Busse in Peru alles andere als sicher sein sollen (und damit meine ich nicht den Fahrstil) und man eher die teuren Busse nehmen soll (da haette ich dann aber fuer die 2 Wochen mehr als 300 Dollar ausgegeben), verging mir jeglilche Lust. Hinzu kommt, dass es keinen zentralen Busbahnhof gibt und man durch die Stadt tigern muss, zu den einzelnen Busgesellschaften, um nachzufrangen, da natuerlich auch nur die teuren eine funktionierende, aussagefaehige Internetseite haben. Hinzu kommt desweiteren, dass diese Busgesellschaften in den Stadtteilen liegen, woher die meisten Insassen des oertlichen Gefaengnisses kommen und dass man lebensmuede ist, dort bei Einbruch der Dunkelheit einen Fuss hinsetzen zu wollen – ich war richtig bedient und vielleicht wird es unter dem Aspekt auch verstaendlicher, dass ich innerlich total angespannt war und richtig antriebslos. Gluecklicherweise sind wir dann samstags aber gemeinsam mit Steffi los auf unsere „“kleine““ Bus-Auscheck-Tour. Das Ergebnis war eher mager, aber ein paar Preise, Abfahrtszeiten und Routen liessen sich in Erfahrung bringen, nichts desto trotz musste ich am naechsten Tag noch einmal allein los, um zumindest meine naechste Fahrt nach Huacachina zu planen. Anschliessend ging es durch Miraflores, was wie gesagt sehr an amerikanische Grossstaedte erinnert, aber vielleicht in dem Moment genau das Richtige fuer mich war. Ich genoss es durch die Strassen zu ziehen, obwohl und gerade weil es schon dunkel war. Ich kaufte mir auf dem Weg „“das Parfum““ in spanisch, mit dem guten Vorsatz, neue Vokabeln zu erschliessen. Im Rueckblick auf die letzten 2 Wochen war das eher mehr oder weniger erfolgreich. Wir gelangten ans Meer und zu dem riesigen Shoppingcenter, auf das die Leute aus Lima wohl besonders stolz sind – sehr westlich halt, direkt neben dem Hilton und anderen Luxushotels. Besonders schoen anzuschauen bei Nacht war ein Restaurant, das auf einer Meeresbruecke ueber dem Wasser liegt, mit kleinen Tuermen, im hellen Licht erstrahlt, waehrend sich im Hintergrund die Wellen brechen. Es war wundervoll mit Steffi diesen Stadtteil zu erkunden, wir quasselten ununterbrochen, soviel gab es zu erzaehlen und auszutauschen. Wir landeten dann in einem „“fancy““ Cafe, mit exzellenten Saeften und spaeter trafen wir uns mit Freunden von der Uni im Parque Kennedy. Die naechsten 2 Stunden bestanden dann groesstenteils im …. Warten. Es sollte naemlich spaeter eigentlich zu einer Party gehen und Puenktlichkeit war an diesem Abend wohl ein Fremdwort. In der Zwischenzeit posierte eine Schoenheitskoenigin fuer einen Fotografen vor der wunderschoen beleuchteten Kirche, wurden die Bilder und Gemaelde verpackt, die sonst die Strassenseiten schmuecken und eilten Jugendliche und Touristen vorbei, auf dem Weg zu Restaurants und Clubs. Irgendwann waren wir dann vollzaehlig und gingen zu der Party von Steffis Mitstudentin, der Raum fuellte sich sehr schnell, doch irgendwie war ich noch nicht richtig angekommen und somit meine Lust auf einen wild durcheinander schnatternden Haufen begrenzt, obwohl die Leute durchweg sehr nett und lustig waren. Ich machte mich dann auch ziemlich schnell vom Acker, um in der Nacht unsanft aus meinen Traeumen gerissen zu werden. Zu allem Ueberfluss war es auch noch ein Typ, der mir in Montañita schon sehr, sehr unangenehm aufgefallen ist in der ganzen Art, wie er den Strand entlangstolziert ist, sich den Einheimischen gegenueber benommen hat, einfach in seinem ganzen Auftreten. Ausgerechnet er taucht in der Nacht um 3 auf und erzaehlt mit einer Lautstaerke und in einer Festbeleuchtung seine komplette Lebensgeschichte einem anderen aus dem Zimmer. Der naechste Tag bestand dann hauptsaechlich darin, wieder in die Stadt zu fahren und noch einmal bei den Busgesellschaften anzufragen. Eigentlich wollte ich mir auch die Kathedrale und die Innenstadt anschauen, aber auf halbem Weg kehrte ich wieder um – ich hatte keine Lust und keine Traute, ein sehr unschoenes Gefuehl und fuer das Reisen nur hinderlich. Steffi meinte spaeter auch, dass meine Anspannung zum Greifen nah war, in diesen ersten Tagen. Im Hostel lernte ich dann einen netten Englaender kennen – tippe auf 60 Jahre, der mir seine Reisegeschichten erzaehlte – er ist in Suedamerika bereits seit 2 Jahren und beschreibt es als eine Hass-Liebe, eigentlich will er zurueck gehen, aber auf der anderen Seite kann er nicht. Abends gingen wir mit Steffi in den riesigen Supermarkt bei ihr um die Ecke einkaufen – die Auswahl war immens, die Regale stapeln sich bis zur Decke und bei den Gemuese- und Fruechtetheken stapelt sich eine exotische Frucht neben der anderen. Wir kochten dann gemuetlich zusammen und dann hiess es erstmal wieder fuer 2 Tage Abschied nehmen, denn fuer mich ging es am naechsten Tag (Montag) weiter nach Huacachina und spaeter wollten wir uns in Arequipa treffen, um gemeinsam eine Woche zu reisen.

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