Huacachina – 44./45. Tag

Am naechsten Tag ging es also wieder los, fuer mich, Richtung Sueden. Ich entschied mich fuer eine Busgesellschaft, die eigentlich recht renommiert ist und dachte, die erste Busfahrt sollte fuer mich erfolgreich sein, so dass das beklemmende Gefuehl an Bedeutung verliert. Ich fruehstueckte dann mit dem Englaender und wir tauschten noch ein paar Reisegeschichten aus, bevor es mit meinem kleinen Rucksack fuer die naechsetn anderthalb Wochen quer durch Peru ging (den grossen Rucksack liess ich bei Steffi). Der Bus unterschied sich vom Komfort nicht von den anderen und los ging es. Aber natuerlich hatte ich kein Glueck, wie sollte es auch anders sein? Nach dem ersten Polizeistopp hielten wir (wie die ganze Fahrt) irgendwo an der Strasse und es stieg ein junger Mann ein, der mir schon vom ersten Anblick durch seine halben Fingerhandschuhe nicht geheuer war. Er raste dann auch ziemlich nervoes den Gang hoch und runter, wobei ich in seiner offenen Hand im Vorbeigehen ein halb aufgeklapptes Messer erblickte. Mein Herz fing an zu rasen und ich bekam richtig Angst. Denn er sah nicht so aus, als braeuchte er es zur Selbstverteidigung, zumal ich auch noch als einziger Tourist erkenntlich war. Er setzte sich dann zu allem Ueberfluss vor mich. Ich hatte daraufhin die naechsten Minuten damit zu tun, meine Kreditkarte in meinen Schuh, mein Geld unter meine Kleidung zu verstecken und die Kamerakarten aus der Kamera herauszunehmen. Ich bekam keine wirkliche Ruhe und erst als er dann irgendwann ausstieg (ohne das irgendwas passierte), regulierte sich mein Puls und ich begann wieder normal zu atmen. Genau sowas brauchte ich jetzt nicht, so ein Kopfkino. Ich erreichte Ica, und besorgte mir gleich ein Ticket fuer den naechsten Tag nach Arequipa, bevor es mit einem kleinen Motortaxi nach Huacachina ging. Der Anblick entschaedigte fuer alles. In der Dunkelheit erreichten wir die kleine Oase, die umgeben ist von hohen, weissen Sandduenen unter einem blinkenden Sternenhimmel. Da mir immer noch nicht recht nach Reisen, Abenteuern und allein sein war, verlief der erste Rundgang und das Abendbrot ziemlich schnell und ich verschwand recht zeitig in meinem Bettchen, welches sich in einem schaebigen Zimmer befand. Zur Zeit waren auch recht wenig andere Touristen vor Ort, so dass di Oase ziemlich verlassen wirkte. Sie besteht aus einem kleinen See, den man schon von weitem riecht, umrahmt von Palmen. Mehr als die Haelfte des Sees ist umgeben von einer steinernden Promenade von der Treppen an den kleinen Strand fuehren, auf der anderen Seite wird die Promenade von Bars, Shopps und Restaurants gesaeumt. Frueher war das bestimmt ein ueberwaeltigender Anblick, da dieser Ort der hohen Klasse Perus als Urlaubsort diente. Jetzt sind viele Teile zerstoert bzw. in einem recht verfallenen Zustand. Trotz allem bietet es einen wundervollen Anblick, wenn man die Sandduenen mit dem weichen, weissen Sand erklimmt und nach unten auf dieses kleine Paradies schaut. Bekannt ist der Ort vor allem fuers Sandboarden, wobei die Hoehe der Duenen nicht zu verachten ist. Der unbebaute Abschnitt der Oase besteht aus Strand und Palmen, welche aber langsam von dem Sand verschluckt werden und somit teilweise nur noch mit dem Blaetterdach heraus schauen. Viele peruanische Touristen waren vor Ort – kreischende Maedchen auf den Boards, ein Papa im Sand eingegraben, wobei nur noch der Kopf zu sehen war, im angeregten Gespraech mit seiner Familie :), Jugendliche, die die Duenen hoch rennen und ein Schwimmer, wobei ich mich gefragt habe, wie man in dieses stinkige Wasser steigen kann, ohne sich eine Krankheit zu holen oder zu ersticken. Ich verbrachte den Tag mit kleinen Wanderungen durch die Duenen, Fussspielen im weichen Sand und Leute beobachten in einem Restaurant. Die Leute im Ort waren sehr, sehr nett. Den Hoehepunkt stellte dann ein Telefonat nach Hause dar, zum Geburtstag von meinem Opa, wobei ich schon befuerchtete, dass es durch die Zeitverschiebung nicht klappen wird, denn hier ticken die Uhren etwas anders, was Oeffnungszeiten angeht 🙂 Abends ging es dann mit dem Taxi zurueck zum Busterminal, diesmal mit der teuren, sicheren Busgesellschaft. Im Warteraum gab es lustige peruanische Shows zu bestaunen, wobei man sich manchmal fragte, wo die Grenzen zwischen Unterhaltung und Bloedsinn liegen, sie schienen hier zu verschwimmen. Im Bus bekam ich einen Fensterplatz zugewiesen, was sich als fast dramatisch herausstellen sollte fuer meine Blase und meine Beine, denn nach der ersten Bingorunde (ja, alle waren fleissig am Bingospielen ;)), schlief der Mann neben mir sofort ein bis zur Ankunft in Arequipa am fruehen Morgen und ich konnte nicht raus, da ich doch Leute so ungern wecke. Ich muss sagen, dass ich durch das ganze Busfahren etwas Probleme mit meinen Beinen hatte und die naechsten Tage sahen noch wesentlich mehr Fahrten vor. Trotz Strecken und Kreisen wurden sie sofort dick aufgrund von Wasserablagerungen und es gab leider auch kaum Ruhephasen in unserem geplanten Programm, um ihnen ein bisschen Erholung zu verabreichen, somit blieb bloss cremen, massieren und hoffen – es wurde dann auch von Tag zu Tag besser. Die Busfahrt nach Arequipa war generell sehr bescheiden, da durch die kurvigen Strassen nicht an Schlafen zu denken war und dann waehlten sie auch noch so einen Weltzerstoerungs- / Ausserirdischen-Film. Vielen Dank dafuer 🙂 Ich erreichte also zerknautscht und unausgeschlafen die wunderschoene Stadt Arequipa.

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