Arequipa – 46./47. Tag

Ich bin in Arequipa erst einmal direkt ins Hostel, dort aufs Zimmer und ins Bett, ich war einfach nur muede. Wir teilten uns das Zimmer mit 2 Israelinnen, wobei die Wellenlaenge von Anfang an nicht wirklich vorherrschte. Nachdem ich ausgeschlafen war, verzog ich mich ins Internetcafe und liess mich auch nicht wirklich weiter in der Stadt blicken, ich sehnte Steffis Ankunft herbei und ich muss sagen, meine Stimmungskurve nahm ab ihrer Ankunft merklich zu. Die lachenden Smileys in meinen Aufzeichnungen loesten die traurigen ab und es wurde mit eine der schoensten Wochen, die ich hier verbracht habe. Kurz bevor ich mich auf zum Busbahnhof machte, um sie abzuholen, landete ich in einem Burgerladen, wo sich erstmal beim Betreten ein riesiges Schmunzeln ueber mein Gesicht zog. An der Wand hingen Fotos und Bilder von verschiedenen Film- und Comichelden und das erste Bild, was mir ins Gesicht sprang, war von Beverly Hills 90210, ach herrje, wie lange ist das her? Die tiefsten 90er!! Neben mir sass dann eine Mutter mit ihrer kleinen Tochter und einem riesigen gelben Luftballon, zwischen Hulk, Spiderman und Captain Planet. Eine weitere freudige Begebenheit an diesem Tag, die meine Laune ungemein hob, war meine Praktikumszusage fuer November und Dezember in Bonn. Anschliessend ging es noch einmal kurz zum Hostel, auf die Dachterasse, unter diesen grossartigen Sternenhimmel, mit Musik im Ohr und einem Feuerwerk im Hintergrund. Dann war es endlich soweit. Steffi sollte planmaessig um 9 Uhr ankommen. Ich war ganz aufgeregt und total entsetzt als es hiess, dass der Bus erst halb 11 kommt. Ich dachte, ich hoere nicht recht, vielleicht ist mein Spanisch noch zu schlecht und sie ist schon laengst da und hier wird von einem anderen Bus geredet. Aber dem war nicht so. Noch schlimmer war es, als um 10 alle anfingen, ihre Staende einzupacken und ich fast allein in der Wartehalle zurueck blieb… Doch ich brauchte mir gar keine Gedanken machen. Die Wachmaenner blieben immer schoen in meiner Naehe, gaben mir eine Decke und von den Angestellten der Busgesellschaft bekam ich einen Tee gereicht, denn es wurde empfindlich kalt und am Ende hiess es, noch einmal eine Stunde drauf – Steffi kam also halb 12 dann endlich an und schaute nicht schlecht, als sie mich neben den Gepaeckjungen auftauchen sah, denn eigentlich war der Abholservice gar nicht abgesprochen gewesen. Wir fuhren dann zurueck zum Hostel und gluecklicherweise machten sich die beiden Israelinnen schon jetzt auf den Weg zum Canyon, welcher sich ungefaehr 6 Stunden entfernt befindet, so hatten wir das Zimmer fuer uns und quatschten fast noch die ganze Nacht durch, bis uns endlich spaet die Augen zufielen.
Der naechste Tag war dann fuer Arequipa verplant, zumindest der Vormittag, doch erst einmal liessen wir uns das Fruehstueck auf der Dachterrasse schmecken. Von dort oben hatte man einen grossartigen Ueberblick auf die Stadt und die Berge sowie die Vulkane im Hintergrund. Das Hostel ist ein kurioser Bau, welcher sich nach oben schraubt und in sich ziemlich wackelig aussieht. Getoppt wird es dann von besagter Terrasse, auf der sich kleine runde Tische mit Sonnenschirmen befinden. Dann ging es daran, die Stadt fuer uns zu entdecken. Arequipa ist bekannt als weisse Stadt, da viele Gebaeude unter anderem die Kathedrale und der Hauptplatz aus weissem Vulkangestein gebaut sind, einmalig schoen! Dazwischen gruenen Rasenflaechen und Palmen und Scharen von Tauben flattern und toben von einer fuetternden Hand zur anderen. Auch so ist die Stadt als sympathisch und freundlich zu beschreiben mit vielen kleinen Staenden, Bars und kleinen gelben Taxis, welche hupend ueber die Kopfsteinpflastersteine rasen. Wir landeten dann in einer der grossen Kirchen, jedoch auch hier wieder – zu viel. Die katholischen Kirchen stossen meist ab mit ihren Prunk, goldenen Altaeren und Nischen sowie den oft verwandten lebensgrossen Figuren, welche Bibelgeschichten symbolisieren. Wunderschoen hingegen war die Kapelle im Hintergrund. Die Waende waren komplett mit Blumen- und Vogelmustern bedeckt, welches sich bis in die Rundkuppel erstreckte. Auch der Innenhof hinter der Kirche war wesentlich huebscher – ein Gewirr aus Steinboegen und Arkaden, in denen sich wieder kleine Cafes und Shopps befanden. Als wir auf die Strasse traten trauten wir unseren Augen kaum, wir waren mitten in einer Wahlkampfveranstaltung, doch erinnerte diese eher an einen Karnevalsumzug – Tanzgruppen mit Masken und bunten Kostuemen, Blaskapellen, ein geschmuecktes Alpaka, Leute, die Sprueche riefen und zum Waehlen aufforderten – ein Schauspiel fuer die Augen! Dann kamen wir in eine kleine Gasse, die unser Herz sofort eroberte. Ein kleines Restaurant neben dem naechsten Irish Pub mit immer verlockenderen Mittagsangeboten und es schmeckte grandios, zwischen kleinen Baeumen und Sonnenschein. Die Stadt war grandios und die Zeit viel zu kurz, denn schon mussten wir uns beeilen, um zum Busbahnhof zu kommen, denn wir mussten heute noch irgendwie zu besagtem Canyon kommen. Wir hatten nur noch nicht wirklich einen Plan, wie wir das am besten anstellen, noch wie die Busse fahren. Doch wir dachten auch: „“so schwer kann das ja nicht sein.““ Pustekuchen! So aufgeregt hab ich mich schon lange nicht mehr! Eine Busgesellschaft unfreundlicher als die andere. Auskunft bekam man nur zwischen dem Mittagessensresten im Mund hervorgequetscht – wenn ueberhaupt. Ausserdem sah es so aus, dass wir noch fast 2 Stunden warten konnten, denn so oft wie erhofft, fuhren die Busse gar nicht. Ich war relativ schnell pappsatt, Steffi hatte da definitiv mehr Ruhe weg. Am Ende ergatterten wir 2 Tickets und nachdem wir hoerten, dass am naechsten Tag der letzte Bus um ein Uhr faehrt (?), beschlossen wir, in dem Ort am Anfang des Canyons zu bleiben. Somit konnten wir zwar nicht reinwandern, aber zumindest zu dem Aussichtpunkt fahren, um ihn zu sehen. Der Bus spiegelte nicht die bisherig gewohnten Komfortstandards wieder. Die Vorhaenge waren eher marginal vorhanden und es entbrannte ein wilder Kampf um die Fetzen, um sich vor den Sonnenstrahlen zu schuetzen – zu witzig zu beobachten, wie sich die Gemuete um ein Stoffstuecke erhitzten. Die Fahrt nach Chivay symbolisierte dann auch wunderbar meine bisherige Reise – es war die schoenste und gleichzeitig schlimmste Busreise, die ich je hatte. Als wir ins Umland kamen, erlebten wir einen grossartigen Sonnenuntergang ueber der steppen-wuestenartigen Umgebung, im Hintergrund mit den braunen, steinigen Bergen, welche im rot der untergehenden Sonne erstrahlten. Wir fuhren an einsamen Gehoeften vorbei, zu denen Bauern ihre Kuhherden zuruecktrieben. Es erinnerte mich so sehr an die Ueberlandreise durch Tibet und ich war wahnsinnig gluecklich, besonders als dann der Himmel noch von zahlreichen Sternen ueberzogen wurde. Im Fernsehen kam ein asbach uralter KungFu-Film, den Steffi ganz furchtbar fand und ich zum Schreien komisch 🙂 Ueberschattet wurde die Busfahrt allerdings von Magenkraempfen, bei denen ich schon gar nicht mehr wusste, wie ich sitzen soll, um sie auszuhalten, zurueck zu fuehren vermutlich auf einen kurz vor der Fahrt gekauften Ananassaft, dazu eine drueckende Blase – es war die Hoelle. Kurz bevor wir ankamen und nachdem der Film zu Ende war, wurden dann noch die schoensten Klassiker aus den 90ern gespielt, zu denen frueher in der Disco auf die Tanzflaeche gerast wurde, Steffi und ich schauten uns an und mussten einfach nur lachen – ja, auch Modern Talking ist in Peru bekannt. Ich war dann trotzdem uebergluecklich als wir ankamen und im Hostel ins Bett plumpsten.

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