Riobamba – 18./19. Tag

Mit Michael ging es vormittags noch einmal zum Markt und in die Kirche. Wir kamen genau zum Gottesdienst und wie sie diesen hier abhalten, ist sehr schoen. Waehrend der Predigt wird oft gesungen, waehrend eine Nonne mit ihrer klaren Stimme ueber Mikro alle ueberhallt. Alles strahlte eine Ruhe aus und am Ende des Gottesdienstes schuettelten sich alle die Haende und segneten sich, bevor sie vor gingen und sich beim Priester den goettlichen Segen abholten. Wir durchstreiften die Kirche, welche an den Waenden Gemaelde von Katastrophen darstellte und Menschen, die durch den Glauben davor geschuetzt wurden. Dann noch ein kurzer Kaffee und nachdem ich fast den Bus verpasste, da ich nochmal auf Toilette musste, ging es 2 Stunden nach Riobamba. Ich holte Veronica in ihrem Buero ab und musste sofort den Mitarbeitern und dem Chef Rede und Antwort stehen. Die letzten Tage musste ich oefters mein Spanisch praktizieren und fuer das Notwendige reicht es schon. Es ging dann kurz durch die Stadt, ich kaufte bei den zahllosen Verkaeuferinnen von Lotteriescheinen ein Los und gewann natuerlich nichts, ein Pferd reicht wohl fuer mein lebenslanges Lottoglueck ;), wir besuchten eine Kirche und ein Cafe bevor es zu Veronica nach Hause ging. Die Mutter und der Hund schlossen mich sofort ins Herz. Der kleine, weisse Bilo wich mir nicht von der Seite, sprang auf mir herum, kroch mir ins Gesicht und war komplett aus dem Haeuschen, obwohl er Fremde sonst wohl immer anbellt und die Mutter wollte mich am naechsten Tag gar nicht gehen lassen und ich musste mich verpflichten, noch einmal wieder zu kommen. Eigentlich wollten wir ja tanzen gehen, doch am Anfang der Woche ist hier nichts los, so dass wir Abend essen waren und ich am naechsten Morgen wieder zeitig los machte. Eigentlich wollte ich mich ja nur auf einen Kaffee treffen, da ich es so nett fand, dass sie mich eingeladen hatte, aber wie gesagt, naechste Woche werde ich noch einmal nach Riobamba fahren. Allerdings hat mir die Stadt gar nicht gefallen, ich bekam dort ein richtig drueckendes Gefuehl – jede Strasse sieht aus wie die andere, alles wirkte so kalt, das Wetter tat da sicher auch sein uebriges. Von der Groesse liegt Riobamba etwa zwischen Quito und Baños, nicht so gross, aber auch nicht so klein und gemuetlich. Alles ist geschaeftig und wirkt irgendwie ungemuetlich. Ich war schon etwas froh, wieder weg zu fahren, obwohl ich nur eine Nacht da war und Veronica und ihre Familie wirklich sehr herzlich und lieb waren. Und wie gesagt fuer einen Abend fahr ich auch noch einmal zurueck. Ein Taxi brachte mich zum Busbahnhof, an dem sich ein Tiermarkt angrenzte… Nein, irgendwie faellt es wirklich schwer, das so zu akzeptieren – die Haehne und Huehner werden kopfueber umher geschleppt oder sind zusammengequetscht in niedriegen Kisten verpackt. Haustiere wie kleine Katzen und kleine Hunde liegen als zitternde Buendel in kleinen Kaefigen, neben dem Bus lagen zwei tote Welpen, die haben es nicht in ein Heim geschafft. Alles spiegelt das Tier als reines Nutztier wider, das ist ja eigentlich auch in Ordnung und so wie die Einheimischen damit umgehen, ergibt es in der Gesamtheit auch ein harmonisches Bild, doch mir krampft sich trotzdem jedes Mal der Magen zusammen. Im Bus sassen dann auch nur Einheimische und es war ein bezauberndes Bild – die Frauen mit den hier typischen Maennerhueten auf dem Kopf und ihre Kinder auf dem Schoss, welche dicke schwarze Haare haben, die bei den Maedchen zu breiten Zoepfen zusammengeflochten sind. Die Umgebung von Riobamba ist im Vergleich zur Stadt umso schoener. Pferde- und Kuhwiesen ziehen sich die Haenge hinauf, unterbrochen von Waeldern und kleinen Gehoeften, zu denen oft kleien Gemuesegaerten gehoeren. In Baños angekommen machte ich mich wieder auf die Suche nach Sylvie, um mit ihr zusammen nach Quito zu fahren. Ihre Hotelbesitzer waren sehr lieb und als ich ankam, versuchten sich grad alle Beteiligten mit der Verstaendigung, was sich als etwas schwierig herausstellte selbst mit dem aufgeschlagenen Englisch-Lern-Buch fuer Kinder 😉 Ich konnte dann sogar etwas bei der Uebersetzung helfen und nach vielem Laecheln, Foto und Umarmungen ging es fuer uns nach Quito. Die Fahrt war sehr unterhaltsam und wir quasselten 3 Stunden ohne Punkt und Komma, auch der Abend wurde zusammen verbracht nach einem grossen Hallo mit den Freiwilligen im Hostel – ach, ich mag sie gern. Heute geht es dann fuer die naechste 2 Tage nach Otavalo und langsam wird es doch etwas stressig, denn ich habe mich dafuer entschieden, naechste Woche in einem Wildtiercamp mitzuhelfen. Leider muss man dafuer bezahlen, wie ja meist bei Freiwilligenarbeit, aber das Projekt hoert sich sehr gut an, dann will ich mir eigentlich auch noch gern meine Dreads machen lassen und Waesche waschen und, und, und… Die Zeit scheint davon zu rennen…
Ich denke an euch und hoffe, es geht euch gut. Eure Jule

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.