Quito / Mitad del Mundo – 26. Tag

Wir wollten frueh am naechsten Morgen zurueck. Ich hatte wegen den Zeiten geschaut und eigentlich war alles klar… Als ich jedoch zur Frau unseres Hostels ging (welche die letzten Tage eine Engelsgeduld hatte bei unseren ganzen Aktivitaetenplanungen), sagte sie, der Bus ist weg und der naechste faehrt irgendwann nachmittags. Das konnte nicht wahr sein, ich hatte in der falschen Zeile geschaut. Es gab zwei Gruende, warum warten nicht moeglich war – zum einen wollten wir noch einmal zum Mitad del Mundo (ich wollte noch meinen Stempel :)) und es lag direkt auf dem Rueckweg und zum anderen war abends das israelische Neujahr, zu dem die beiden Hollaenderinnen und ich eingeladen waren. Der Zufall wollte es, dass Pedro auch nach Quito musste, so nahm er uns mit, welch Freude fuer uns! Ich dann nun zum dritten Mal dort, konnte den beiden zeigen, wo alles war. Wir besuchten noch einmal den falsch vermessenen Aequator fuer die Tourifotos, Gilad kaufte einige Souvenirs und dann das schoene Museum. Die Tour war wesentlich verstandlicher und besser als die andere, so dass es sich definitiv noch einmal gelohnt hat, wir hoerten etwas ueber die Wohnart einer indigenen Gruppe, ueber das Ritual der Schrumpfkoepfe (der Kopf wird vom Toten abgetrennt, ausgehoehlt und dann mit einem heissen Stein gefuellt und wieder zugenaeht (bisschen gruselig anzuschauen) und ueber Bestattungsriten, wobei die Frau des Toten mit im Grab eingeschlossen wird, schlafend… Dann ging es nach Quito zurueck, ich suchte meine einzigen hellen Sachen zusammen, die ich finden konnte, denn bei Feierlichkeiten traegt man weiss und dann ging es auch schon bald zur Festlichkeit. Wir bedachten irgendwie nicht, dass wir einer zu viel fuer ein Taxi sind, somit mussten wir erst einmal eins finden, dass uns mitnimmt und ich hatte dann die ehrenvolle Position, hinten ueber den Beinen der anderen lang zu liegen, sehr lustig! 😉
Wir erreichten dann die genannte Adresse, aber von einer Synagoge oder sonstigem war keine Spur, ein Auto voller Polizisten machte uns dann auf eine unscheinbare Tuer aufmerksam. Drinnen waren wir mitten in einem Haus. Marleen, Nienke und ich fuehlten uns mehr als unwohl, denn keiner von uns sprach hebraeisch und wir waren eindeutig als aussenstehende zu erkennen. Wir setzten uns auf die Stufen im Flur und harrten der Dinge die passieren. Die Maenner befanden sich schon in der Synagoge, die wahrscheinlich irgendwo im Hinteren des Hauses ist, langsam fuellte sich der Raum, wo die Tische zusammengeschoben wurden fuers Essen und dann verschwanden alle Maenner ploetzlich in dem einen Raum und die Frauen warteten in dem anderen, getrennt durch eine kleine aufklappbare wand – dann wurde gebetet. Wir fuehlten uns immer unwohler, denn obwohl wir ein Gebetsbuch mit englischen Texten bekommen hatten, verstanden wir nichts und es war nicht abzusehen, was als naechstes passieren wuerde. Es war alles sehr feierlich und nachdem Gilad mir gesagt hatte, dass man unter keinen Umstaenden den Rabbi beruehren darf, wich ich jedes Mal vor Schreck zurueck, wenn er in der Naehe war. Selbst Gilad und Ben sagten, dass es fuer sie das erste Mal so feierlich, religioes und traditionell ist. Als wir dann sassen, standen ploetzlich wieder alle Frauen auf und sollten zusammen Kerzen anzuenden, ich fuehlte mich wirklich unwohl, denn ich konnte mit dem allen ueberhaupt nichts anfangen, ich wusste nicht warum, weiss zu wenig ueber die Religion und fuehlte mich komplett deplatziert. Doch wie anders wurde es, als wir dann wieder sassen, das Geplapper fing an, es wurde gesungen, geklatscht, ab und zu noch einmal gebetet, doch die ganze Spannung der Zeremonie war verpufft und alle waren wie eine grosse Familie – wirklich beeindruckend und es war ein Fakt, der mir auch spaeter immer wieder aufgefallen ist, sobald sich Israelis treffen, ist es sofort freundschaftlich und familiaer, als wuerde man sich schon ein Leben lang kennen – eine riesige Gemeinschaft, die nicht durch Grenzen sondern durch die gemeinsame(n) Werte, Geschichte und Mentalitaet zusammengehalten wird. Es war wirklich sehr lustig, das Essen schmeckte vorzueglich, auch wenn wir schon nicht mehr geglaubt hatten, dass es dazu ueberhaupt noch kommt, da dazwischen 3 Stunden vergangen sind. Doch Marleen und Nienke wollten dann los und so ganz allein wollte ich dann auch nicht mehr bleiben. Somit fuhr ich mit den beiden zusammen weg, nachdem wir noch einmal eine viertel Stunde gewartet hatten, bis und jemand das Tor oeffnen konnte. 🙂

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