erste Etappe: Köln und Fährfahrt von Rotterdam nach Hull

Mit vier Stunden Verspätung verlassen wir bepackt wie fahrende Schausteller Leipzig mit Ziel Köln um meine Freundin und ihren Mann in ihrer neuen Wohnung zu besuchen und hier auch den ersten Zwischenstopp der Reise einzulegen. Leider schläft Leonard im Auto und auch generell nicht mehr so lange wie noch vor ein paar Wochen, deshalb bestehen die meisten der bisherigen Autofahrten aus ein wenig Schlummern, viel Spielen, Grimassen schneiden, Sonnenbrille von der Nase klauen… und wenn das alles nichts mehr hilft, legen wir Zwischenstopps ein, somit kommen wir statt nach anfänglich berechneten 4 ½ Stunden nach 6 ½ Stunden müde im schönen neuen Wohnviertel an, in dem Verena und Christoph ihr Zuhause gefunden haben. Staunend lassen wir uns durch alle Räume führen und ich bin begeistert von der geschmackvollen Einrichtung. Der selbst gebaute Echtholztisch biegt sich unter den Köstlichkeiten, die auf uns warten und alle Müdigkeit ist vergessen. Leonard schlummert in der ersten Reisenacht sprichwörtlich wie ein Baby und wir quatschen uns bis 2 Uhr fest (wobei wir hätten schwören können, dass wir direkt nach dem Abendessen verschwunden sind, so knülle waren wir von den letzten kurzen Nächten und der längeren Fahrt) – ein rundum gelungener Auftakt, so kann es weiter gehen.

Am nächsten Morgen beginnt die tägliche Routine, denn was ich bisher nie hatte, wird jetzt durch den kleinen Mann vorgegeben. Somit geht Leonard nach dem Aufwachen auf Entdeckungstour und inspiziert die Wohnung ausgiebig. Der Vormittagsschlaf ist dann die erste Bewährungsprobe: Wir suchen „etwas“ im Auto. Endlich sind wir bestückt mit Buggy und Regenplane, denn die ersten Tropfen fallen vom Himmel. Nach ein paar Metern der Besichtigungstour durch das Viertel wird klar: Es bleibt nicht bei ein paar Tropfen. Regelrechte Bindfäden fallen schwer auf den Schirm und die Plane und ich wünsche mir, mit Leonard zu tauschen und gemütlich unter dem Pochen der Tropfen zu schlummern. Wir ziehen noch etwas durch kleine Gassen vorbei an Vorgärten gehüllt in prächtige Rosenblüten, einem Bäcker mit einem wahren Erdbeertraum in der Auslage und einer Schlange, für die die Räumlichkeiten nicht ausreicht und schnuckeligen Cafés bevor wir bei einem türkischen Buffet einkehren und uns über all die Herrlichkeiten her machen. Als Krönung unseres Kölnausflugs kommt auch noch Katja (meine damalige Indienbekanntschaft) mit ihrer Tochter auf einen Kaffee vorbei, zu dem Verena noch einmal ihre köstliche türkische Nachspeise „Künefe“ reicht.

Den ersten Schreckmoment der Reise haben wir auch direkt erlebt. Als wir vom Frühstück zurück kommen, fällt uns auf, dass ich durch das Suchen des Buggys und Verstauen eines übermüdeten, weinenden Kindes vergessen habe, die Schiebetür zu schließen. Wir testeten somit die Sicherheit des Viertels, die Regentauglichkeit der Matratze und das Rausnehmen des Bezuges der Babyschale, der total durchnässt war, sowie die Qualifikation des Trockners. Fazit: Wir werden die Schiebetür sicher nicht noch einmal vergessen, Trockner und Fön haben eine fantastische Arbeit gemacht und Regen macht der Matratze nichts aus solange man sie in Ruhe trocknen lässt.

Nach diesem perfekten Start rollen wir gesättigt und voller Vorfreude nach Rotterdam, um von hier nach Hull überzusetzen. Trotz Zwischenstopp erreichen wir entspannt die Fähre und richten uns heimelig in unserer Minikabine ein. Wir hatten doch glatt vergessen, dass wir ein Etagenbett bestellt haben und die Liegefläche ist recht optimistisch für eine Person berechnet. Der Rücken dankt mir die Nacht nicht: Seitlich auf der Kante liegend, damit das kleine Schlafmonster sich genüsslich von einer Seite zur anderen wälzen kann. Bevor wir zeitig in der Koje verschwinden, inspizieren wir die Fähre und landen im eleganten Restaurant als einzige Alternative zu süßen Muffins bei Starbucks und einem wirklich lecker aussehenden Buffet für saftige 25 Euro pro Person, die wir niemals hätten verspeisen können. Somit wurden es kleine Speisen im „Nobel“Restaurant (immerhin mit Stoffservietten), in dem Leonard sofort alle Herzen um unseren Tisch eroberte, die Kellnerin ihn am liebsten mitgenommen hätte und er sich in seiner Rolle sichtlich wohl fühlte und zufrieden mit seinem Löffel im Gepäck den Speisesaal erkundete. Schon jetzt kann ich nur davon schwärmen, wie schön es ist mit Kindern zu reisen, denn so ein kleines Wesen zaubert noch einmal schneller ein Lächeln auf die Gesichter.

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