Nord- und Zentralschottland: Küstenstraßen, Black Isle, Inverness und Edinburgh

Am nächsten Tag fuhren wir entlang der wunderschönen Nordküste mit den weißen Sandstränden und zahlreichen Steilklippen. Wir passierten kleine Dörfer auf engen Straßen und immer wieder säumten Weiden mit Schafen und Kühen die Fahrtstrecke. Nachmittags erreichten wir den nordwestlichsten Punkt Schottlands John o’Groats und stoppten an dem hiesigen Leuchtturm, der sich über den Steilklippen erhob, in denen unzählige Möwen nisteten. Ein wunderschöner Sonnenuntergang über dem Meer erinnerte uns wieder einmal daran, was für ein Glück wir mit dem Wetter haben und welch schöne Eindrücke wir bisher erleben durften.

Dann ging es für uns wieder Richtung Süden entlang der Küste. Es wurde wieder belebter, die Strecke zwischen Bergen und Meer wieder länger und diese Zwischenebenen wieder grüner und stärker landwirtschaftlich genutzt. So reihten wir uns in Autoschlangen ein und fuhren gemächlich nach Inverness. Was schon hier auffiel und bis Edinburgh nicht besser wurde, waren die unglaublich vielen überfahrenen Wildtiere – insbesondere Fasane, aber auch Rehe, einen Dachs und sogar einen Hirsch sahen wir, teilweise sogar im Abstand von 50 Metern. Das war mehr als erschreckend und ziemlich traurig. In Inverness landeten wir in einem recht teuren Restaurant (traue keiner Reisebuchempfehlung), aber dafür schmeckte es auch ganz gut und gestärkt gingen wir durchs Stadtzentrum. Am interessantesten waren die neusten Modeschreis, hauptsächlich der durchs Einkaufszentrum schlendernden Teenager-Banden, ganz vorn dabei: Augenbrauenbalken a la Frida Kahlo – höchst amüsant das Balzverhalten der beiden Geschlechter zu beobachten. Danach ging es für uns auf die Black Isle von hier soll man besonders gut Delphine beobachten können. Nachdem wir zwischen einem Golfplatz durchfahrend die Spitze der Landzunge erreicht hatten, setzten wir uns auf unsere Picknickdecke, Leonard spielte fleißig mit den Bauklötzen und wir sahen tatsächlich zwei bzw. Stefan drei Delphine. Gegen Abend gingen wir noch in den Feenwald und ein verschlungener Weg führte an einem Bach entlang, gesäumt von Moos bewachsenen knorrigen Bäumen, die tatsächlich etwas märchenhaftes ausstrahlten. Am Ende des Weges warteten zwei Wasserfälle auf uns, ein wunderschöner Spaziergang an dessen Anfang zurück wir noch über eine kleine Feenstadt stolperten. Der Rundweg endete am Strand von Rosemarkie, eine malerisch gelegenen kleinen Siedlung mit einem wunderschön anzusehenden Pub, der aus der Zeit gefallen schien. Da hier allerdings nicht an Campen zu denken war, mussten wir ein Stück weiter raus fahren und landeten an einem Parkplatz, der den Beginn einer BMX-Strecke markierte und scheinbar recht populär in der Szene war, denn es kamen einige Autos mit Rädern beladen. In Nebelschwaden eingehüllt ließen wir den Abend bei einer deftigen Portion Bratkartoffeln ausklingen – eine regelrechte Herausforderung in Anbetracht der Größe der Pfanne, aber final wohlschmeckend gemeistert.

Am nächsten Morgen wollten wir uns noch einmal die Delphine anschauen, aber anscheinend haben wir das mit den Zeiten von Ebbe und Flut komplett vertrieft und waren rückblickend glücklich am vorherigen Tag schon welche gesehen zu haben. An diesem Morgen schauten wir lediglich auf seichte Wellen im Wasser. An Inverness vorbei ging es zum berühmten Loch Ness und beflissentlich hielten wir Ausschau nach Nessie, aber außer kleinen Wellen, die ans Ufer schlugen, sahen wir nichts, das an das Monster erinnerte. Durch eine liebliche Landschaft fuhren wir einmal ringsherum, hielten an einem kleinen Baumswing, den Stefan flink wie ein Äffchen heraufkletterte und ausprobierte, und entlang an grünen Weiden bis wir in den Nationalpark kamen, an dem wir unsere vorletzte Nacht in Schottland verbringen wollten. Landschaftlich sah es hier noch einmal ganz anders aus als im restlichen Schottland und der Reiseführer hob hervor, dass hier noch die ganz ursprünglichen Kiefernwälder zu finden sind, wie sie zu Beginn über ganz Schottland verteilt waren, bis regelrechter Raubbau an dem Großteil der Wälder begangen wurde. Nur irgendwie brachte ich es vorher nicht im Kopf zusammen, dass ich ja auch in einer sehr Kiefernwaldbetonten Gegend aufgewachsen bin, deshalb fühlten wir uns (bis auf die Berge) wie bei einem Ausflug in die heimatlichen Wälder. Zudem haben wir nicht bedacht, dass es Wochenende ist und somit waren die sehr schönen Spots an den Bergseen komplett überrannt. Wir kurvten durch die Wälder, versuchten unser Glück bei einem super coolen Campingplatz sogar mit Streichelzoo, nur leider nahmen sie nur Zelte auf, schade. An einem kleinen See stoppten wir dann, um zu picknicken, mit Leonard zu spielen und den weiteren Schlachtplan auszukaspern. Der Schreck war groß als Stefan plötzlich eine Zecke auf seinem Bein entdeckte, nach genauerem Absuchen der Decke fanden wir dann noch direkt drei weitere. Wir packten panisch alles zusammen und ab ging es zum Auto, dort untersuchten wir jedes Kleidungsstück, jedes Spielzeug und „belausten“ uns selbst wie kleine Äffchen. Die Leute auf dem Parkplatz mussten auch denken: „Die sind total plem, plem, diese Deutschen“. Tatsächlich hatte Stefan dann noch drei Zecken am Bein. Mein Bedarf nach Wildcampen in diesen Wäldern war gedeckt und wir entschlossen uns für einen anderen Campingplatz und erhielten hier noch den letzten Platz, direkt der Abwasserentleerung gegenüber, aber kein Stress. Wir genossen die heiße Dusche, das erste Mal zusammen mit Leonard, der sichtlichen Spaß daran hatte und im Anschluss ein leckeres Picknick in den Strahlen der untergehenden Sonne.

Am nächsten Tag verstauten wir ausgiebig unsere ganzen Sachen und unsere Fahrt nach Süden ging weiter. Diesmal schnurgerade über die Autobahn nach Stirling, hier hatten wir ein Picknick auf dem Unigelände und da gefühlt alle Straßen ins Stadtzentrum aus irgendeinem Grund gesperrt waren, ging es direkt weiter über Land nach Edinburgh. Wir hatten beim letzten Mal etwas von einem Kindertheaterfestival gelesen, das über die ganze Stadt verteilt sein soll. Das war unser Ziel. Leider kamen wir doch erst recht spät an, fanden aber direkt einen kostenlosen Parkplatz und hinter der ersten Ecke hatten wir gleich einen Gänsehautblick auf eine alte Kirche vor der in Nebel liegenden Burg. Generell erstrahlte Edinburgh passend zu seinen Häusern in grau und ein kühler Wind zog durch die Straßen. Auf der Suche nach dem Theaterfestival, wohlgemerkt der Grund weshalb wir noch einmal nach Edinburgh rein gefahren sind, mussten wir feststellen, dass es sich zwar tatsächlich um ein internationales Theaterfestival für Kinder handelte, aber darin bestand, dass pro Tag 3 bis 4 Veranstaltungen in irgendwelchen Kulturstätten aufgeführt wurden, wofür man auch noch Karten brauchte. Hinzu kam, dass wir nach unser darauffolgenden Suche nach Essen an das furchtbarste Restaurant der Stadt gerieten (schlimmer geht wirklich nicht mehr und schon gar nicht für so unverschämte Preise). Ich bestellte einen Cheeseburger. Als ich die gute Frau dabei beobachtete, wie sie in zwei lapschige Weißbrothälften eine halbgare Boulette klappte ohne irgendwas dazu dachte ich noch, naja jetzt geht sie um die Ecke und da wird sie noch Saucen, Salat etc. dazu packen. Wenige Sekunden später kam sie mit drei Scheiben Schmelzkäse dazwischen gepackt zurück und zur Krönung war alles bis auf den Fleischlappen kalt. Nachdem mein Gesicht augenscheinlich jegliche Fassung verloren hatte, bot sie mir zumindest noch an, das Ganze warm zu machen. Das es dann auch noch grausig schmeckte, passte nur ins Bild, auch Stefans frittierte Bällchen waren eine Zumutung und missmutig trotteten wir noch einmal zur Royal Mile, schoben uns durch die Menschenmassen und suchten zu guter Letzt noch das Canonballhaus auf, das wir beim ersten Mal nicht passiert hatten. Hier steckt eine Kanonenkugel in der Wand, aber egal wie verzweifelt wir die Häuserfronten inspizierten – wir sahen nichts. Nachdem wir das Wachpersonal der Burg befragten und sie auf eine kleine Erhebung in einer der Häuser zeigten, schauten Stefan und ich uns an und prusteten einfach nur noch los vor lauter Lachen, welch ein Reinfall dieser zweite Stopp war. Da behalte ich mir lieber das schöne Bild von Edinburgh im Gedächtnis, das wir nach dem ersten Mal hier hatten. Unsere letzte Nacht auf der Insel verbrachten wir in einer kleinen Feldeinfahrt abgehend von einer romantischen Allee mit Blick auf diesmal noch lebende Fasane, die in ihrem bunten Gefieder stolz über die Wiesen schritten. Ein perfekter Abschluss einer wunderschönen Zeit in Schottland.

Morgens wachten wir mit wabernden Nebelschwaden auf, die die Felder und die kleine Straße um uns herum zu verschlucken schienen. Durch englische Dörfer und eine flacher und weiter werdende Landschaft ging es Richtung Hull. Kleines Highlight auf der Strecke waren gehäuft auftretende von Pferden gezogene Planwagen auf der gegenüberliegenden Straße, die alle zu einer Art Volksfest unterwegs zu sein schienen. Dummerweise waren die Straßen so eng, dass tatsächlich hinter einem der Planwagen ein Kilometerlanger Stau auf der Gegenspur entstand. Wir bemitleideten die Autofahrer, die teilweise nur noch standen und wahrscheinlich keine Ahnung hatten, warum und es auch nicht abzusehen war, dass der Planwagen so schnell von der Straße verschwände. Da wir zeitiger da waren, nutzten wir die Chance, uns Hull anzuschauen und waren positiv überrascht als wir durch die Straßen zogen und am Ende in einem kleinen Park unsere Bäuche vollschlugen bevor es wieder auf die Fähre ging. Hier lernte Leonard gleich eine Spielgefährtin im Kinderbereich kennen, die es aber etwas zu stürmisch mit dem Kleinen meinte und die neue Freundschaft recht schnell wieder vorbei war. Er begnügte sich dann wie immer damit, die Mama anzustrahlen, das konnte man auch mit gebührendem Sicherheitsabstand.

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