Potsdam – Berlin 06.03.09

Am nächsten Morgen hieß es für die beiden zeitig aufstehen, während ich das Privileg des langen Ausschlafens genießen konnte. Draußen schüttete es aus Kübeln und somit war die Verlockung raus zu gehen nicht zu groß. Also kochte ich mir einen schönen Tee und widmete mich Sachen, für die während des Semesters nie Zeit bleibt – ein bisschen schreiben, gestalten, rumwuseln und dabei glücklich sein bei soviel Produktivität 🙂
Spät raffte ich mich dann doch noch auf, vor die Tür zu gehen und ich fuhr zum Neuen Palais. Das Wetter wurde einfach nicht besser und so stapfte ich im Regen über den Uni-Campus – so zu studieren hat definitiv Stil. Zum Glück war ich noch nicht zu spät dran, so dass ich die letzte Führung noch mitmachen konnte und ich kann sagen, dass es die interessanteste und beste Museums-/Schlossführung war, die ich bisher erlebt habe. Unter den Besuchern war auch eine Frau, die sich kaum mit der Kassiererin verständigen konnte, da diese nur ein sehr, sehr schlechtes Englisch sprach. Fast noch schlimmer wurde es, als auch noch ein Anruf aus Frankreich kam, um sich über Führungen durch das Schloss zu informieren 😉 Sie tat mir total leid, wie sie versuchte deutsche Wörter englisch auszusprechen bzw. erst einmal den Gegenüber zu verstehen. Jedenfalls bot ich mich teilweise als Übersetzer für die andere Besucherin an. Unsere Gruppe war sehr beschaulich klein und als wir die riesigen Pantoffeln über unsere Schuhe gestülpt hatten und alle Spanier, Franzosen und Englischsprachige mit Audio-Guides ausgerüstet waren, konnte es los gehen. Das Mädchen, welches und herumführte war brilliant im Reden und versorgte uns mit einer Menge Informationen über das Gebäude und dessen geschichtliche Einbettung. Leider befindet sich das Neue Palais teilweise in einem desolaten Zustand. Die Erklärung liegt beim guten Friedrich (der Große), der sich als Architekt versuchte und das ganze Bauvorhaben besonders schnell fertig bringen wollte. Schlussendlich stand auch alles nach 6 Jahren, aber da teilweise das Holz, welches die Decken stützt nicht richtig abgetrocknet war und auch die Wasserleitungen nach innen gelegt wurden, ist das Anwesen heute von Schimmel befallen und es ist sehr aufwendig und vor allem teuer, alles zu restaurieren. Selbst wohnte er dann wohl auch nie darin, der einzige Grund für das Bauvorhaben war die Zurschaustellung von Reichtum und Macht. Im Haus gibt es mehrere Gästewohnungen, die das auch recht gut demonstrieren. 2 Säle berherrschen das Schloss, zum einen der Grottensaal, in dem sich viele Muschelverzierungen an den Wänden befinden, die wiederum in Form von spielenden Fischen auftreten und den Marmorsaal – prachtvoll und einmalig beeindruckend. Aber auch die Gästewohnungen waren in vollem Prunkt und Luxus ausgestattet, mit Seide an den Wänden und Goldverzierungen an der Decke. Später haben es dann doch noch einige Herrscher als Wohnresidenz genutzt, doch vorzüglich im Sommer, da es auch als ein Sommerschloss geplant war und somit wenig Wärme in den Räumen gespeichert werden kann.
Die eine Besucherin, der ich ab und zu als Übersetzerin zur Verfügung stand, hieß Diana und kam aus Kroatien. Da sie nicht recht wusste, wie sie zum Bahnhof zurück kommen sollte, habe ich ihr kurzerhand angeboten, sie zu bringen. Dabei stellte sich heraus, dass sie Anwältin ist und gerade geschäftlich hier tätig war, allerdings wollte sie nun zu ihrer Bekannten nach Berlin. Auf alle Fälle bot sie an, sie jederzeit zu besuchen, falls ich mal in der Nähe sein sollte. Und da im Sommer ja eine kleine Osteuropatour geplant ist, kommt dieses Angebot sehr gelegen und vielleicht ergibt sich ein erneutes Treffen. Auf alle Fälle war ich ganz begeistert, wie schnell es doch wieder ging, jemanden kennen zu lernen, auch hier „“zuhause““ ohne vorher um die halbe Welt fliegen zu müssen 🙂
Dann ging es noch einmal fix zu Mandy – aufräumen, Häschen füttern, Sachen packen und schon saß ich wieder im Auto zurück Richtung Berlin. Eigentlich sah ja der Plan heute Abend schon Hamburg vor, aber da ist man ja spontan 🙂
In Rekordzeit war ich am Ziel – bei einer WG-Party, die gleichzeitig für mich auch die Abschiedsfeier von Lisa war. Es war absolut witzig – ich kannte zwar niemanden weiter, aber die Studenten des Brauwesens machten das mit ihrer guten Laune und derben Sprüchen wett. So wurde viel gelacht, lecker gespeist, Wände bemalt und die Aktion Zuckerwatte ins Leben gerufen – mit Essstäbchen und geduldigem Warten.
Man soll immer gehen, wenn es am Schönsten ist und so verließ ich die Party, nachdem die letzten Töne vom Birnenbaumlied gegrölt wurden – ich kannte es nicht, aber in der Textsicherheit vom Äschterl und Blätterle waren sich in dem Punkt die Baden und die Schwaben einig. Kristin war noch wach und so lagen wir noch eine ganze Zeit nebeneinander und redeten bis die Äuglein nicht mehr weiter wollten. Und der Gedanke an den nächsten Morgen und das frühe Aufwachen gaben ihren Rest dazu. 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.