Berlin – 03./04.03.09

Der nächste Morgen beginnt gemächlich – schließlich habe ich Urlaub und den redlich verdient. Somit frühstücke ich ganz in Ruhe und mach mich ausgehfertig…
Nachdem ich mich im Internet kundig gemacht habe, geht es auf zu Lisa (einer Freundin aus Leipzig), die gerade in Berlin Zwischenstopp macht, bevor es für sie in die große Stadt in das große Land überm Ozean geht – für ein halbes Jahr durch Brooklyn streifend – Künstlerkontakte und Erlebnisse fürs Leben sammeln. Als ich alles auf Anhieb finde, fällt mir auf, dass ich das auch locker mit dem Fahrrad geschafft hätte und das wiederum zeigt mir, dass ich Berlin einfach immer überschätze, denn im Endeffekt ist alles doch gar nicht sooo weit voneinander entfernt. Zuerst versuchte ich bei Kaiser\’s Batterien für meinen Fotoapparat zu bekommen. Ja glaubt man es denn? Klein, groß, größer, riesengroß, aber keine in mittlerer Größe. So ziehe ich unverrichteter Dinge auf Parkplatzsuche. Hier erlebe ich die nächste Kuriosität. Wer Deutschland als Schilderwald bezeichnet, hat zu 100% recht. An jeder Ecke 5 Schilder untereinander, dazu alle 3 Meter ein Parkautomat – kein Entrinnen vor der Geldabzocke – aber ich unterstütze diese wundervolle Stadt, das sollte mir Trost genug sein. Dann lande ich in der Männer-Wg in der Rheinsbergerstraße. Ein Lächeln huscht bei der Erinnerung über mein Gesicht, dazu das Bild im Kopf von Lisa und Steffen an den Kochtöpfen. Jeder Platz in der kleinen Küche ist vollgestellt, trotzdem schlängeln sich die beiden gekonnt aneinander vorbei und sind mitten im Schnippel- und Kochwahn 🙂 – ich in der Tür nur der stille Beobachter. Beim Kaffee kochen kommt dann auch meine Wenigkeit zum Einsatz nach dem Hin und Her, welche Kaffeekanne jetzt benutzt wird. Eine wird kurzerhand wieder in den Schrank verbannt, da etwas den Kannenhals verstopft – was auch immer es ist, es wird noch länger dort verweilen. Später sitzen wir gemütlich im Zimmer – ausspannen und erholen in wunderbarer Gesellschaft, dazu leise Musik und viel Lachen… so lässt es sich aushalten und schweren Herzens breche ich irgendwann wieder auf, die Couch mit der Decke hätte ich noch länger in Beschlag nehmen können. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön für die Gastfreundschaft.
Abends geht es dann zu Vicky, die gerade ein Praktikum in Berlin macht. Es stellte sich heraus, dass sie auch gleich bei Kristin um die Ecke wohnt, welch Zufall. Somit schnapp ich mir Kristins 26er Fahrrad, bei dem ich auf der Erde fast mitlaufen kann und los gehts. Eine gemütliche Wohnung und ein unbeschreiblich guter Duft empfangen mich und es wird ein entspannter Abend mit viel Reden, Wein trinken, Italienisch essen und Neuigkeiten austauschen. Den Höhepunkt bildet dann noch der Anruf von Inger aus Dänemark, die einen in naher Zukunft geplanten Barcelona-Trip mit mir besprechen will. Und wie es der Zufall will, befinde ich mich in diesem Moment in einer WG, die eine internationale Flatrate hat. So springe ich vor Aufregung durch die Wohnung, quietsche vor Vergnügen in den Hörer und bekomme das Lächeln nicht mehr aus dem Gesicht. Wir versprechen uns bald wieder zu schreiben und danach geht es noch mit Vicky in eine stylisch-grüne Bar im schönen Wedding. Mit Gemütlichkeit und Wohlgefallen neigt sich dann auch dieser Abend dem Ende zu.

Der nächste Tag beginnt mit einem gemeinsamen Frühstück in Kristins Küche. Während sie dann schon wieder auf Arbeit ist, verschwinde ich noch einmal im Bett und widme mich der Beschreibung des Pilgerns auf dem Jakobsweges von Hape Kerkeling. Das Gute daran ist, dass auch ich wieder Lust bekommen habe, Reisetagebuch zu schreiben, denn man vergisst einfach zu schnell, so hoch ist der tägliche Input an schönen und traurigen Erlebnissen, an emotionalen Momenten und an Informationen, die man lernt und teilweise danach nie wieder braucht.
Später habe ich mich dann mit Isy getroffen, besser gesagt ihn aufgelesen und dann erst einmal ohne festes Ziel durch Berlin. Und hier fiel mir ganz deutlich auf, dass alles doch noch recht überschaubar ist. Mitten durch die Stadt, wo sich eine Sehenswürdigkeit an die andere reiht und schöne Erinnerungen an Sommernachmittage auf der Museumsinsel oder in den Hakeschen Höfen wach werden. Der Übergang zum \““Ostblock\““ ist augenscheinlich und so überqueren wir breite Straßen, die von grauen Betonblocks eingeschlossen werden. Ein ganz anderes Bild bietet dann wieder Friedrichshain – und hier verschlägt es uns in ein Vegan-Restaurant. Lecker, schmecker und ein Unikat an Mann hinter der Theke – der absolute Wahnsinn. Aufgedreht springt er zwischen Kaffeemaschine, Kasse und Essenszubereitung hin und her. Das Kassieren kann dann schon einmal etwas schwierig werden und das Kuchenbacken mehrere Stunden in Anspruch nehmen 😉 Aber nicht nur er, sondern auch das Publikum bieten einen Augenschmaus. Großartig. Danach laufen wir durch die Straßen, vorbei an exotischen Boutiquen, an denen man nur mit geschlossenen Augen vorbei kann, da man sich sonst bestimmt in ein Teil verlieben würde, um dann festzutellen, dass man das Geld dafür nicht hat. Später landeten wir dann in einem französischen Café, total gemütlich und mit einer Tafel versehen auf der steht: \““hier bitte englisch und französisch sprechen, denn mit unserem deutsch sieht es nicht gut aus.\““ Dazu einen waschechten Franzosen mit so einem wundervollen Dialekt, der auf seinem Schaukelstuhl mit Buch und Katze sitzt. Ein rundum amüsanter, gesprächiger und angenehmer Nachmittag. Merci beaucoup an Isy dafür. Danach geht es Richtung Süden, Kristin und Karina (meine damalige Indien-Begleitung) werden eingeladen und ab geht es in ein gemütliches Restaurant. Von diesem Treffen kann man wirklich von einem Eintauchen in die Vergangenheit sprechen. Eine weitere Forsterin gesellte sich mit dazu und so schwelgte man in Erinnerungen an die Schulzeit, die immer weiter weg zu sein scheint und an die Zeit der Ausbildung. Anekdoten wurden hervor gekramt, die ich schon fast vergessen habe und oft kam ein: \““ach ja stimmt, das gab es auch mal…\““ Einfach nur phänomenal und im Moment komme ich mir alt vor, denn mit Kinderaugen sieht man selten in die Vergangenheit – \““…das machen doch immer nur die Alten…\““ und jetzt gehöre ich auch dazu 🙂

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